Nicht nur Schönes

(Marianne schreibt) Wir sind in einem der schönsten Hotels, die wir kennen an einem wunderbaren Strand mit angrenzendem Vogelschutzgebiet in Paracas bei Pisco.

Die Enkelinnen sind mal bezaubernd mal sägen sie an den Nerven. Carola und Frank haben Nerven wie Drahtseile, bewundernswert ihre Geduld!

Hier spüre ich, das ich alt werde, ich kann mich auf die rasch wechselnden Stimmungen nicht mehr so schnell einstellen. Aber wenn die Kleinen gute Laune haben, sind sie liebenswert und sehr süß.

Seit wir in Peru sind, habe ich Durchfall, manchmal so schlimm, dass ich mich nicht traue, dass Haus zu verlassen, was natürlich die Stimmung trübt, wenn man gerne in der Stadt und an der Küste entlang läuft. Nach sechs Tagen war ich bei einer Ärztin, die zuerst auf Typhus getippt hat, was sich Gott sei Dank als falsch herausgestellt hat. Ich muss täglich dreimal 3 verschiedene Tabletten dagegen nehmen plus zusätzlich eine für die höllischen Kopfschmerzen sowie eine Elektrolytlösung gegen die Dehydratation. Ich fühle mich grässlich, schlecht gelaunt, alt und sehe aus wie eine Dörrpflaume, was meine Laune auch nicht bessert. Es kann nur besser werden. Die Ärztin kümmert sich per WhatsApp um mich und es geht wieder.

Heute morgen war es auch schon ganz gut, wir haben mit Maluchi einen langen Spaziergang am Strand gemacht, Flamingos, Strandläufer, Möwen (die anderen Vögel kannten wir leider nicht) und Quallen gesehen und Muscheln gesucht.

Und jetzt liege ich unter einer Palme und sehe aufs Meer.

Arm & Reich in Lima

Die alte Frau steht mit ihrem Bauchladen vor der Balustrade des Cafés. Im Café meist ältere Herrschaften die ihre Süßigkeiten oder frisch gepresste Säfte genießen. Die alte Frau bietet ein paar Tüten mit Salzgebäck und Nüssen an. Gegenüber auf dem Mittelstreifen läuft eine schlanke, dunkle, schöne Frau mit ihren beiden Mädchen auf und ab. Sie hat ein Schild und ein paar Lutscher in den Händen. Wahrscheinlich eine der Flüchtlinge aus Venezuela. Barranco, Miraflores, Benavides, Surco und weiter die Küste entlang sind Viertel der Reichen. 1000e Luxusapartments in Hochhäusern, kleine, geschmackvolle Häuschen dazwischen, Hotels, Restaurants reihen sich aneinander. Die Preise der Wohnungen mit deutschen Immobilienpreisen vergleichbar. Auf der Straße parken große Autos, ein Maserati schleicht um die Ecke, gibt Gas, Scheiben zittern. Es ist mir ein Rätsel, wo so viel Reichtum in dem armen Peru generiert wird.

Langsam wird es dunkel. Die alte Frau steht immer noch vor der Terrasse. Wir haben ihr eine Tüte Salzstangen abgekauft. Sie hat sich mit einem Diener bedankt. Die hübsche junge Frau mit ihren Kindern auf dem Mittelstreifen ist weg.

Frank hat uns eine Wohnung besorgt. Las Dalias ist eine ruhige Straße ein paar Blocks vom Meer entfernt. Hier irgendwo muss der Maserati zu Hause sein, er hat mich heute morgen geweckt. Der Blick vom Balkon geht über einen blühenden Busch auf das Hotel am Larco Mar. Wenn uns die Kinder besuchen rennen wir in der großen Wohnung herum.

Der Abfall wird in kleinen Plastiktüten gesammelt. Der Portier stellt sie jeden Abend raus. Ein Müllwagen schleicht vorbei, drinnen sitzt ein Mann, kontrolliert den Abfall, trennt nach brauch- und verwertbaren.

An der Ecke ein kleiner Strand mit Obst, gegenüber sitzt eine Frau in einem engen Kasten, sie verkauft Süßigkeiten. Manche bieten ein paar Zeitungen an.

Bataillone von blau gekleideten dick vermummten Frauen kehren ständig die Bürgersteige. Polizisten auf Motorrädern und Wachmänner in Autos lassen Blinklichtern blitzen. Nachts blinken sie an den Fensterscheiben vorbei und signalisieren Sicherheit. In jedem Hochhaus sitzt in der Eingangshalle ein Pförtner, der die Tür öffnet und schließt und für kleinere Hausmeistertätigkeiten engagiert werden kann. Sicher ist das nicht. Als sie uns in Rio in der Wohnung überfallen haben, hatte der Portier der Garage die Leute reingelassen. Und jede Wohnung hat mindestens ein Dienstmädchen und einen Raum hinter der Küche neben der Waschmaschine. Dann steht sie Tag und Nacht zur Verfügung. Ansonsten muss sie weite Wege vom Stadtrand aus zurücklegen.

Der Großteil der Limeños lebt in heruntergekommenen Bauruinen und im Gürtel um die Viertel von uns Reichen herum bis zur Ausfahrt aus dem Moloch Stadt. 80% aller Stadtbewohner arbeiten im informellen Sektor, hab ich gelesen. Während der Hochzeit der Corona Pandemie war die Stadt monatelang gesperrt.

Prima Klima in Lima

Lima hat ein prima Klima. Für eine in den Tropen gelegene Stadt sind die Temperaturwerte recht niedrig. Ein Grund für dafür ist der relativ kalte Humboldtstrom, der das Land abkühlt. Und besonders im Winter, also von Mai bis Oktober, kondensiert Wasserdampf in der Luft über dem kalten Ozean und sorgt für den berühmten Küsten- oder Hochnebel, der die ganze Stadt einhüllen kann. Fährt man 50 km weit ins Land, ist strahlender Sonnenschein.

Nicht nur im Winter passiert das, heute war es auch so. Dann wabert der Nebel zwischen die Hochhäuser, legt sich wie eine Decke über die Stadt und sorgt für eine bedrückende Stimmung und kaltes Wetter. Dann ziehen die “limeños” Kleider übereinander und wir machen es gerne nach. 21 Grad ist kein Sommer!

Wilde Fahrt

Bus innen
Bus innen

Die sechsspurige Benavides aufwärts bis zum Ovalo Higuereta ist eine Rennstrecke für die Kleinbusse. Hier der rannte wie von einer Tarantel gestochen, klapperte in allen Ecken und Kanten und bestand aus alten Teilen vom Schrott. Unser Sitzt war nicht festgeschraubt, wir mussten uns an einer Querstange festhalten. Jedes seiner abrupten Anfahrten drohte uns nach hinten zu kippen. Jeden Gang jubelte er bis zum Abschlag hoch, fuhr seinen Konkurrenten millimetergenau vor die Schnauze und gewann Fahrgäste auch dort, wo er nicht halten durfte. Und zwischendurch wechselte er Geld. Die Fahrt kostete nur 25 Cent.

Im Park

Immer was los im Park. Kinder spielen, Hunde laufen, Menschen sitzen herum, trinken Kaffee, Arbeiter wässern, Eisverkäufer locken…

Atahualpas Rache

Nun hat sie mich doch erwischt, die Rache des Inkakönigs. Verdenken kann ich es ihm nicht, übel würde ihn mitgespielt von uns. Gut, es waren Spanier, um die 160 wüste Männer auf Pferden, angetan mit Brustpanzer, Helmen, martialisch aussehend. Es waren keine Abenteurer, es waren Mörder, Diebe, Plünderer, einzig auf Bereicherung aus. Ich kann es bis heute nicht recht begreifen. Atahualpa gebot über ein Heer von hunderttausenden. Doch Pizarro und seine Männer stellten dem Incaführer in Cajamarca eine Falle, nahmen ihn gefangen, forderten Lösegeld – Pizarro markierte mit seinen über den Kopf gestreckten Arm die Höhe im Saal, die mit Gold gefüllt wurde. Lauter unersetzliche Kultgegenstände, die diese Barbaren einfach einschmolzen. Und nach Spanien verfrachteten. Als persönliches Eigentum. So haben sie es die ganze Zeit in Südamerika gehalten: rauben, plündern, ausbeuten, sich bereichern. Nichts blieb für das Land.

Atahualpa hat die Kammer mit Gold füllen lassen, dann haben die Spanier ihn mit der Garotte umgebracht.

Dibujo de Felipe Guamán Poma de Ayala, que representa la muerte del Inca Atahualpa, por decapitación

Der Inka war kein feiner Herr, im Bürgerkrieg mit seinem Bruder waren beide Seiten grausam. Das gesamte Inkareich von Chile bis Ecuador gab es erst 150 Jahre und war durch den Krieg geschwächt. Atahualpa hat die Spanier völlig unterschätzt, sein Augenmerk halt den Bürgerkrieg. Trotzdem! Was für eine Chuzpe, in der Stadt voller Inkas den von seinem riesigen Hofstaat umringten König mit Kanonenschüssen und um sich schlagenden und stechenden Barbaren auf Pferden heraus zu keilen und gefangen zu nehmen.

Nach dem Tod von Atahualpa fiel das Inkareich zusammen. Noch knapp 300 Jahre herrschten die Spanier. Dann mussten auch sie zwar bereichert aber geschlagen aufgeben. Lokale Eliten übernahmen die Macht, machten es nicht viel anders als die Spanier. Sie bereichern sich bis heute im Chor mit internationalen Konzernen und dem Volk bleibt wenig bis gar nichts.

Ironie des Schicksals: zum ersten Mal in der Geschichte Perus ist ein Landarbeiter Präsident. Und macht offenbar nichts anderes als seine Vorgänger. Er bedient seine Klientel, seine Familie, sein Gefolge mit Korruption.

Kein Wunder, dass Atahualpa uns Weiße nicht leiden kann. Nix als Unglück haben wir seinen Ländern gebracht. Ach ja, weiter im Norden rächt sich Montezuma auf die gleiche Weise.

Jetzt gilt es Salzwasser trinken, Bananen essen, Zwieback kauen. Und auf Salat, Eis, Ceviche verzichten. Kohletabletten war früher angesagt. Doch die, sagte mir ein Experte, müsste man pfundweise zu sich nehmen.