Flug nach Lima

Ab jetzt müssen wir zwei Masken übereinander tragen. Eine Stunde fliegen wir dem Sonnenuntergang hinterher Richtung NW nach Lima.

Sie dürfen nicht nach Peru einreisen, sagt die Beamtin und schaut böse. Ihr Pass ist weniger als sechs Monate gültig. Die Fluggesellschaft bringt Sie wieder zurück nach Bolivien und wird mit einer Strafe belegt. Das kann nicht wahr sein und ist so. Viele Länder, erklärt sie, haben diese Regel und sie wird strikt eingehalten. Was tun? Reden. Von: niemand hat uns was gesagt bis: unglückliche Großeltern, die ihre Enkel nach zwei Jahren COVID besuchen wollen zog wohl am besten, dass Frank Peruaner ist und draußen wartet. Nach langem Palaver mit Kolleginnen und Chef wurden die Gesichter freundlicher, wir hatten gewonnen und durften in das gelobte Land. Hoffentlich lassen sie uns mit dem Pass wieder raus! Unser Gepäck stand mittlerweile einsam am stehenden Band, doch draußen wartete Frank mit der gesamten Familie.

Und dann waren wir in der Rosa Nautica am immer gleichen Tisch und der Pisco sour schmeckte köstlich wie immer, Sofie schlief und Maluchi hielt sich wach und die Luft war lau, die Wellen brachen sich mit Getöse am steinigen Strand, die Krebse flitzen auf den Felsen, oben auf der Steilküste blinken die Lichter der Hochhäuser, wir waren da.

Rosa Nautika

Persönliche Grüße aus dem Waisenhaus Sagrado Corazon Teil II

Noemi

Hallo, ich bin Noemi, ich schicke euch viele Grüße aus dem Waisenhaus, tschüss!

America

Hallo, ich bin America, es geht mir gut hier im Waisenhaus. Ich wollte dir danken für alles, was du mir geholfen hast. Danke!

Alfredo

Grüße an alle Paten in Deutschland. Wir sind hier zusammen mit allen Patenkindern und sind sehr fröhlich. Wir hoffen, dass wir euch eines Tages hier persönlich begrüßen dürfen. Eine feste Umarmung!

M. Hogar in Montero

Wir haben unsere Patenkinder besucht, die im Waisenhaus „Sagrado Corazon“ leben.

Sie sind zwischen 9 (Noemi) und 17 Jahre (Maria del Carmen) alt und wir waren zuerst in dem Klassenraum, in dem sie heute Glückwunschkarten für alle Eventualitäten gestaltet haben. Heute war kein richtiger Unterricht.

Vorgestern hatten sie ihre Karnevalsfeier mit der Prämierung der besten Kostüme, der besten Gruppenperformance und mit Tanz. Gestern war dann verschärftes Feiern mit Wasserschlacht , Nachlaufen, viel Gequietsche und Lachen .

America und Noemi waren ein bisschen schüchtern und hatten keine Fragen. Noemi haben gar nicht wieder erkannt, aus einem zahnlosen strubbeligen Wesen ist ein niedliches Mädchen geworden .

Wir saßen zusammen mit Maria del Carmen, Marlene, Asunta, America, Lisbeth und Noemie und sie waren alle sehr interessiert. Sie wollten natürlich die neusten Fotos ihrer Pateneltern sehen und fragten uns aus.

Besonders Lisbeth, die zweitjüngste, wollte alles über Friedemann und Margrit wissen, was in der Schule ihre Lieblingsfächer waren, welche Sprachen sie sprechen und was sie arbeiten, wie die Söhne heißen und ob sie viel reisen.

Sie kam dann auch auf die Idee, dass jede einen kurzen Gruß an ihre Pateneltern sprechen sollte.

Maria del Carmen war mir schon beim ersten Kennenlernen aufgefallen, weil sie mich sofort ausgefragt hat. Wo wir wohnen, wie viele Sprachen wir sprechen, was Klaus und Marga arbeiten. Sie ist jetzt im letzten Schuljahr und will nächstes Jahr eine Ausbildung zur Krankenschwester machen.

Asunta erzählte, dass es ihr Leid tue, dass sie jetzt Flöte spielen muss, dabei hat sie das Klavierspielen so geliebt. Und sie war hocherfreut, dass ihre Patin auch Klavier spielt.

Und Marlene wollte genau wissen, was Hannelie studiert und gearbeitet hat. Und ob sie wohl irgendwann mal nach Bolivien kommt.

Und alle fragten immer wieder, ob die Chance besteht, dass sie ihre Pateneltern einmal persönlich kennenlernen könnten, in Bolivien.

Der Abschied fiel ihnen und uns schwer, diesmal war so etwas wie Vertrautheit da. Wir sollen doch bitte nächstes Jahr wieder kommen.

Karneval

Wir haben doch Karneval gefeiert. Im Kleinen. Bei Karen und Alfredo im Garten. Die zwei Kinder warfen Luftballons mit Wasser gefüllt auf der Wiese rum, wie Erwachsenen saßen wie Erwachsene auf der Terrasse. Ich habe Mojitos gemacht, die Omas haben Luftballons gefüllt und Hammel im Ofen gegrillt. Dann haben sie uns mit einer Sprühdose mit farbigen Schaum besprüht, Karnevalsmusik erklang im Hintergrund und wir waren alle lustig. Das klingt jetzt nicht so, aber es war so. Ich hab dann Luftballons mit dem Hut aufgefangen, aber sie sind nicht auf meinem Kopf explodiert. Der Jüngste hat sich einen Eimer Wasser übergeschüttet und das Ziel erreicht. Er war nass und verschmiert. Bei 34 Grad nicht schlimm. Dann gab’s Maiskolben mit Käse, danach Hammel köstlich und Yuka und hinterher Torte aus der Schachtel. So kann man auch mit kleinen Sachen den großen Leuten Freude machen.

Heute, Samstag, fängt Karneval an in Santa Cruz

„Was fällt dem ein?“ fragt Lourdes, „warum macht der das?“ Weil er Russe ist. Auch hier ist Erschrecken spürbar. Ein Krieg, den keiner gewollt hat. Nur Putin. Als ob ein wild gewordener Bulle den Weidezaun trotz elektrischer Ladung zerstört und seine Umwelt angreift.

Natürlich passen wir nicht auf. Wie auch. Die Familie ist groß, alle erwarten uns und begrüßen mit Abrazo. Das Essen ist spanisch wie die Vorfahren. Die Eier heißen nicht mehr „Russisch“, Morcilla und Chorizos erinnern mich an Blut- und Leberwurst, Kartoffeln in Fett geschwenkt und Reis. Gab’s Suppe? Klar gab’s Suppe. Und Nachspeise. Sie lieben deftig. Am ersten Abend schon im traditionsreichen Fleischrestaurant. Auf besonderen Wunsch eines plötzlich nicht mehr müden Herren.

Und natürlich war ich wieder mit Alberto einkaufen im Großmarkt. Denn natürlich ist mal wieder Karneval nach zwei Jahren Abstinenz. Mit Konzert und Sprühdosen.

Aber da gehen wir nicht hin. Nein! Hab ich fest vor. Nur ein wenig feiern wir im Garten mit Kindern, Katzen und Hundekonzert in der Nachbarschaft.

Die Isolation der gesamten Gesellschaft in der Corona Hochzeit war umfassend. Monatelang keine öffentlichen Verkehrsmittel, keine Veranstaltungen, keine Arbeit für viele, kein Ausgang. Nur Einkaufen war einer Person im Haushalt genehmigt nach der Endziffer im Ausweis. Zu Fuß. Ohne Auto. Und Karen sagt, es war angenehm.

M: 26.2.

Ich freue mich mehrere Male am Tag auf eine kalte Dusche, die nicht wirklich kalt ist. Woher auch?

Wir sind glücklich, abends mit den beiden draußen im Garten zu sitzen und zu reden. Sie fragen uns Löcher in den Bauch, wollen alles über unsere Enkel und die Familie wissen und besonders über unsere Auslandseinsätze. Dabei lachen wir viel. Gestern haben wir ihnen das Video aus Südafrika vorgespielt, wo unser Freund die Sprache mit den Klicklauten spricht. Das klingt für uns so lustig. Unaussprechlich!

Karen sorgt dafür, dass es immer laktosefreie Milch gibt und herrliche Avocados. Heute steht der Besuch bei Alfredos Eltern auf dem Programm, die uns immer kulinarisch verwöhnen. Der Vater war bolivianischer Botschafter in Europa, er ist an allem interessiert, am meisten an der Bundesliga. Sein Verein ist der BVB.

Sie fragen uns nach unserer Meinung. Sie sind stockkatholisch, Richtung Opus Dei und Kommunisten sind für sie die Ausgeburt der Hölle. Aber dass der Krieg in der Ukraine ein Unglück für die Menschen ist, darauf können wir uns einigen. Und dann schauen wir dem vierjährigen Enkel zu, der bei soviel Aufmerksamkeit zu großer Form aufläuft. Seine Oma Luli gibt ihm Schokolade, auch wenn seine Mutter dagegen ist. „Natürlich kriegt er Schokolade, wenn er sie will – wozu sind Omas denn da?“

Wir dachten, nach dem vielen Essen bei Alfredos Eltern wäre es gut, ein bisschen zu laufen. ….

Nach 20 Minuten sind wir umgekehrt und haben das getan, was wir in Rio und in Dar es Salaam auch immer gemacht haben – uns direkt an der Tür die Kleidung vom nassen Körper gezerrt und kalt geduscht.

Freitag (R)

Es ist alles lauter. Von drüben wummert ein Bass. Bei der Hochzeit letztens hat’s mir das Gehör verletzt. Autos hupen und sind wenig schallgedämpft. Und flitzen von Lücke zu Lücke, immer ein Auge auf dem Anderen, der könnt ja Scheiss bauen so wie man selbst. Wir waren im Zentrum. Seltsam immer wieder, mitten im kleinen Park der Plaza ist Ruhe.

Sie ist das Wohnzimmer von Sta Cruz. Familien sitzen und unterhalten sich, alte Männer spielen Schach, hübsche und weniger hübsche Frauen zeigen ihre Körper und junge Männer versuchen Eindruck zu erwecken. Menschen schauen dich an beim Vorübergehen, bei jungen Mädchen besonders angenehm. Nur die Taubenschwärme schrecken manchmal auf. Herren in weißer Jacke und keck auf dem Kopf sitzenden Schiffchen bieten Espresso in kleinen Thermobechern für 75 Cent an, stark, süß, schwarz. Beim Iren zu Mittag gegessen. An der Wand große Gemälde aus der Heimat. Wie kommt ein Ire nach Santa Cruz? Die Aussicht auf die Plaza ist schön. Das Fleisch knochenhart. Die Quinoasuppe mit Cilantro schon eher Südamerika.

Alfredo zeigt uns die Ausstellung mit Gemälden seines Großvaters und seines Großonkels, zu ihrer Zeit bekannte Maler in Bolivien und Spanien. Er hat sie in einem der wunderbaren alten Häusern der ruhmreichen Gründerzeit organisiert. Beides, Maler und Haus sehenswert.

Ausstellung
Alte und neue Architektur

M: 25.2.

Ich wollte noch kurz erzählen, was uns in São Paulo auf Trab gehalten hat. Wir hatten alles dabei: den aktuellen PCR- Test, eine Erklärung der Auslandskrankenversicherung, dass sie die Kosten für eine Behandlung auch für COVID übernehmen (auf Spanisch und Englisch) und die Impfnachweise natürlich, aber als wir nach Bolivien einchecken wollten, brauchten sie unser Flugticket nach Peru, weil sie sicher sein wollten, dass wir das Land bald wieder verlassen! Dann in zwei Stunden noch die Agentur der Fluglinie suchen, endlose Gänge, in der Schlange warten und Tickets kaufen, egal zu welchem Preis – naja, es hat geklappt. Und wir wurden sehr lieb empfangen.

Was schön ist, wenn man abends ausgeht und außer einem Minimum nichts anziehen muss. Draußen fühlt sich die warme Luft an wie Seide.

Jetzt sitzen wir im Bett und freuen uns auf den Tag mit Alfredo und Karen: Stadtbummel, Besuch unseres Lieblingslokals mit dem besten Maracuya-und Mangosaft und Besuch der Kunstausstellung von Alfredos Onkel.