Mir scheint, das Verhältnis von dicken zu dünnen Menschen ist hier umgekehrt als in D. Kein Wunder, wo man hinguckt rennen sie durch die Gegend und machen Sport. Alt und jung, groß und klein, dunkel und hell, sportlich und unsportlich.

Ja, das auch: weitaus mehr afrikanische, arabische und lateinamerikanische Menschen in der Menge. Auch kein Wunder, F hatte Kolonien. Soweit ich weiß gibt es auch bei den Franzosen deswegen Konflikte, Rechte sind überall gegen andere die nicht so aussehen und denken wie sie. Auch das in F anders: kann sein dass der nächste Präsident Faschist(in) ist. Soweit sind wir Gott sei Dank in D (noch) nicht.
Franzosen, sagt die Reiseführerin, lieben es, im Kaffee zu sitzen und zu reden. Gibt es hier keinen Kaffee to Go? fragt eine Mit-Passagierin? Nein, sagt die Französin, wir nehmen uns noch die Zeit und trinken den Kaffee im Café.

Darauf hatte ich mich gefreut, wie Gott in Frankreich zu leben. Mittagessen, lese ich, ist hier noch immer ein Ritual mit Fokus auf Genuss. Das Essen auf dem Schiff ist gut bis sehr gut. Ab und an mit französischen Einsprengsel am Buffet. Da herrscht Gedränge. Können wir das, so richtig genießen? Wir sind im Land, aus dem die besten Käse kommen. Weichkäse und Emmentaler Scheiben aus Bayern schmecken auch nicht schlecht. Gestern ein riesiger Wok mit Bouillsbaisse. Vor mir der nette Herr nimmt sich ein Esslöffel voll und sagt: wer weiß, was drin ist. Vielleicht Katze. Es war Spaß mit ein wenig Wahrheit. Vielleicht gibt es deshalb mehrheitlich bekanntes Essen. Ich hab mir zwei mal geholt. Danach war’s mir schlecht. Zu viel des Guten. Und Muscheln gab’s auf dem Oberdeck als Zwischenmahlzeit mit Rosé.

Seit gestern bin ich sensibilisiert. Margrit und Friedemann berichten aus Japan von Menschen, die freundlich und nett sind. Und Rücksicht nehmen auf die Mitmenschen. Jetzt lass ich alle vor gehen. Nur das Bord Personal ist noch schneller im zur Seite springen. (Ach ja, die netten Japaner haben sich im Krieg gegen China wie die Berserker aufgeführt).
Dann war ich im Bischofspalast, Multimediashow zu Jean d‘Arc. Ich sitze und lese die Tafeln vor mir. Dann kam er, der Herr unten, und las auch. Brat mir doch nen Storch. Alles kompliziert. Aber freundlich und rücksichtsvoll sein entspricht schon lange meinem Bedürfnis. Schwer in einer Gesellschaft, die rücksichtsloses Verhalten und Vorboxen als Erfolg definiert. Die ICH Gesellschaft. Wie heißt der Knilch, der die fdp in die Versenkung gebracht hat? Genau der. Vor lauter ICH dass WIR vergessen.

M ist aufgefallen: Wenig SUVs. Mehr kleine Autos. Danach ist’s mir auch aufgefallen. Nicht angeben, praktisch fahren (und Parken). Und ne Schramme ist nicht schlimm.
PS: Das umgekehrte Verhältnis von Dick zu Dünn ist statistisch gut belegt. Zurückgeführt wird das auf:
Der Unterschied kommt nicht von einem Faktor, sondern aus einem System:
- strukturierte Mahlzeiten
- weniger Snacks
- kleinere Portionen
- mehr Alltagsbewegung
- andere Einstellung zum Essen
👉 Kurz gesagt:
Frankreich optimiert das Verhalten rund ums Essen – Deutschland eher die einzelnen Lebensmittel.

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