Heldenverarschung; Lima, Peru 3. April 2019

Mitten in Miraflores, dem schönsten Stadtteil Limas, an der Schnittstelle der Nord-Süd-Stadtautobahn und der Ost-West-Achse der Avenida Alfredo Benavides gelegen, liegt er, der Heldenverehr-Park „El Reducto No 2“, Die 2. Schanze. Am 15. Januar 1881 haben hier peruanische Truppen die chilenische Eroberung der Stadt kurzzeitig aufgehalten. Der einzige Sieg (ist Aufhalten des Gegners ein Sieg?) im so unrühmlichen Krieg um Salpeter in der fernen Atacama Wüste. Es hat nichts genutzt, die Stadt fiel am nächsten Tag den Chilenen in die Hände. 2000 Menschen ließen bei diesem Kampf ihr Leben.

Soweit so (un)gut. Kann ja vorkommen, dass man sich verrechnet und statt reich zu werden (durch Salpeter für Düngung und Sprengstoffherstellung) den Krieg verliert und drei Provinzen abgeben muss. Kann ja vorkommen, dass man im Krieg geplündert wird und Steuern an den Sieger bezahlen muss. Kann ja alles vorkommen. Kommt ja dauernd vor. Würd mir auch nicht gefallen. Und der armen Hunde, die ihr Leben lassen mussten, kann man ja auch mal gedenken.

Was mich aufregt und weshalb ich dies hier schreibe, ist der Text der Heldenverehrung.

„Am 15. Januar 1881 fanden sich hier auf dieser Schanze ein Junge und Alte, Arme und Reiche, Lehrer und Schüler um für ihre bedrohte Stadt zu kämpfen. Sie wussten um ihre Unterzahl an Soldaten und Waffen, ihre improvisierte militärische Ausbildung und DAS FEHLEN JEDER MÖGLICHKEIT ZUM SIEG.“ (Ich habs groß geschrieben, damit die unfassbare Verblendet- und Blödheit der Krieger deutlich wird. Im Original ist alles groß geschrieben).
Und dann wird noch darauf verwiesen, dass diese armen, verleiteten Hund „das Opfer“ begriffen hätten, „dass die Ehre unserer Waffen (sic!) verlangte und hartnäckig und mutig kämpften bis sie starben.“

Sie hatten keinerlei Aussicht zu gewinnen. Und ließen sich abschlachten. Das ist nach meiner Lesart nicht mutig sondern saublöd. Und unverantwortlich von denen, die sie anführten. Und noch heute verherrlichen sie die Ehre ihrer Waffen. Meinetwegen die Ehre ihres Landes. Aber doch nicht ihrer Waffen! Ich reg mich auf. Was haben denn die Frauen dieser armen Hunde gesagt? Wüsste ich gerne mal. Sogar einen kleinen Jungen mit Gewehr im Anschlag ehren sie auf einem Denkmal als Helden. Der hatte viel davon.

Genau davor ein Lichtblick. Jeden Samstag findet hier die Bioferia statt, der gut besuchte Biomarkt. Den hat Frank mit ins Leben gerufen!

Marianne – ein Lichtblick. Besser als die Helden

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