Als Senior Experten in Südafrika. Pretoria 11.3.20

Ein kleines Abenteuer

Ich hatte es gelesen, Südafrika hat ein Strom Problem. Prompt hat es uns erwischt. Wir waren essen abends, auf der Hinfahrt fiel der Strom aus. Die Küche funktionierte mit Ofen, nur bezahlen konnten wir nicht. Das Netz war ausgefallen, Kartenzahlung ging nicht, mit Bargeld läuft man hier tunlichst nicht rum. Der Bankautomat in der Nähe, betrieben mit Notaggregat, verlangte 5% Gebühr. Wie sollten wir nach Hause kommen? Uber war nicht erreichbar, Telefone und Handys waren ohne Netz. 1 1/2 Std laufen durch das dunkle Pretoria war angstbesetzt und mühsam. Das Management des Lokals bemühte sich, fand eine junge Frau deren Handy ging und schlussendlich kamen wir nach Hause. Sogar unser Tor ließ sich mit der Fernbedienung öffnen.

Ganze Kompanien von Schwalben fliegen niedrig über uns herum. Kündigen sie Regen an? Oder kündigen afrikanische Schwalben anders an? Oder kommen die aus Europa und sind gar nicht afrikanisch? Ich freue mich, so lange keine Schwalben in dieser Anzahl gesehen.

Im Büro

Afrikanische Männer und Emanzipation, das scheint noch nicht zu passen. Genauso wenig wie die Vermeidung von Plastik. Wir haben Gläser gekauft. Selbstredend spülen M und Nene ab, reinigen den Tisch, räumen Plastikflaschen und Verpackung ab. Die Männer nutzen und gucken auf ihre Handys. M hat sich heute den Praktikanten geschnappt und zum Abspülen mitgenommen. Der war verdattert, wusste nicht, wie das geht. Jetzt weiß er es.

Kein Thema

Plastik, Umweltschutz, sogar Klimaveränderung ist kein Thema. Thabang erklärt. Die Probleme, die die meisten Südafrikaner haben, sind so gravierend und auf das tägliche Überleben ausgerichtet, dass kein Platz für zukünftige Probleme bleibt.

Unser Projekt ist immanent politisch.

Hat uns heute Thabang erklärt. 60% der jungen Südafrikaner zwischen 18 und 35 sind arbeitslos. Ohne jegliche Chance auf Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse. Die südafrikanische Wirtschaft ist wieder in eine Rezession gerutscht, das bedeutet, Arbeitsplätze nehmen ab, nicht zu, wie es müsste. 8 % der weißen Bevölkerung besitzt nach wie vor 75% des bewirtschaftbaren Landes. Die heute zumeist schwarze Regierung ist völlig korrupt, Thabang sagt, von der Wirtschaft gekauft. Der (schwarze) Präsident gehört zu den reichsten Menschen in Afrika. Ihre Versprechungen bleiben Versprechungen. Nur das Nötigste wird getan. Südafrika ist weltweit das Land mit der größten Differenz zwischen arm und reich. Sagt Thabang. 1 Prozent der Bevölkerung besitzt 90 Prozent des Reichtums.

Was bleibt den jungen Menschen übrig? Sie werden kriminell. Oder sie schließen sich der Rot mit schwarzem Barett gekleideten Revolutionären Bewegung und Partei an, die den Umsturz und den Bürgerkrieg propagiert.

In diesem Spannungsfeld trägt unsere NGO zum Dialog zwischen Regierung und Jugendlichen bei. Damit die Regierung hört, was Jugendliche bewegt. Das haben sie schon gemacht und wollen vertiefen. Das Präsidentenamt ist offenbar nicht abgeneigt, mitzumachen. Es ist ihnen zu raten. Sonst, sagen die Fachleute, ist in 10 Jahren die bewaffnete Revolte da. Sagt Thabang.

Thabang

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