Arm & Reich in Lima

Die alte Frau steht mit ihrem Bauchladen vor der Balustrade des Cafés. Im Café meist ältere Herrschaften die ihre Süßigkeiten oder frisch gepresste Säfte genießen. Die alte Frau bietet ein paar Tüten mit Salzgebäck und Nüssen an. Gegenüber auf dem Mittelstreifen läuft eine schlanke, dunkle, schöne Frau mit ihren beiden Mädchen auf und ab. Sie hat ein Schild und ein paar Lutscher in den Händen. Wahrscheinlich eine der Flüchtlinge aus Venezuela. Barranco, Miraflores, Benavides, Surco und weiter die Küste entlang sind Viertel der Reichen. 1000e Luxusapartments in Hochhäusern, kleine, geschmackvolle Häuschen dazwischen, Hotels, Restaurants reihen sich aneinander. Die Preise der Wohnungen mit deutschen Immobilienpreisen vergleichbar. Auf der Straße parken große Autos, ein Maserati schleicht um die Ecke, gibt Gas, Scheiben zittern. Es ist mir ein Rätsel, wo so viel Reichtum in dem armen Peru generiert wird.

Langsam wird es dunkel. Die alte Frau steht immer noch vor der Terrasse. Wir haben ihr eine Tüte Salzstangen abgekauft. Sie hat sich mit einem Diener bedankt. Die hübsche junge Frau mit ihren Kindern auf dem Mittelstreifen ist weg.

Frank hat uns eine Wohnung besorgt. Las Dalias ist eine ruhige Straße ein paar Blocks vom Meer entfernt. Hier irgendwo muss der Maserati zu Hause sein, er hat mich heute morgen geweckt. Der Blick vom Balkon geht über einen blühenden Busch auf das Hotel am Larco Mar. Wenn uns die Kinder besuchen rennen wir in der großen Wohnung herum.

Der Abfall wird in kleinen Plastiktüten gesammelt. Der Portier stellt sie jeden Abend raus. Ein Müllwagen schleicht vorbei, drinnen sitzt ein Mann, kontrolliert den Abfall, trennt nach brauch- und verwertbaren.

An der Ecke ein kleiner Strand mit Obst, gegenüber sitzt eine Frau in einem engen Kasten, sie verkauft Süßigkeiten. Manche bieten ein paar Zeitungen an.

Bataillone von blau gekleideten dick vermummten Frauen kehren ständig die Bürgersteige. Polizisten auf Motorrädern und Wachmänner in Autos lassen Blinklichtern blitzen. Nachts blinken sie an den Fensterscheiben vorbei und signalisieren Sicherheit. In jedem Hochhaus sitzt in der Eingangshalle ein Pförtner, der die Tür öffnet und schließt und für kleinere Hausmeistertätigkeiten engagiert werden kann. Sicher ist das nicht. Als sie uns in Rio in der Wohnung überfallen haben, hatte der Portier der Garage die Leute reingelassen. Und jede Wohnung hat mindestens ein Dienstmädchen und einen Raum hinter der Küche neben der Waschmaschine. Dann steht sie Tag und Nacht zur Verfügung. Ansonsten muss sie weite Wege vom Stadtrand aus zurücklegen.

Der Großteil der Limeños lebt in heruntergekommenen Bauruinen und im Gürtel um die Viertel von uns Reichen herum bis zur Ausfahrt aus dem Moloch Stadt. 80% aller Stadtbewohner arbeiten im informellen Sektor, hab ich gelesen. Während der Hochzeit der Corona Pandemie war die Stadt monatelang gesperrt.

Veröffentlicht von REinloft

Alte und neue Welten erfahren und erdenken. Immer wieder.

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