Dialog R und M

Am vorletzten Tag des Krankenhausaufenthalts auf „Signal“

M: Jetzt hat eine junge Lernschwester an mir geübt, wie und wo man Infusionen legt. So sehe ich auch aus,

R: Kriegst du das bezahlt?

M: Ich hatte meinen volksnahen Tag und hab sie ermuntert, es nochmal zu versuchen, nachdem es beim 1. Mal schief gegangen ist. Am Ende hat es dann doch die Chefin gemacht.

R: Und du hast neue Tätowierungen!

M: Brauch ich nicht. Das sind die Abenteuer der älteren Leute.

Nach 5 Tagen

Clinica Anglo Americana

Diesmal hat es mich richtig erwischt. Ich erspare euch die Einzelheiten, aber die „Reichweitenangst“, die man von Fahrern von E-Autos kennt, bekam bei mir eine ganz neue Bedeutung „wo ist das nächste Klo, schaffe ich es noch?“

Mit rumlaufen am Strand und an der Steilküste in Lima hat es in den drei Wochen nur dreimal geklappt, auch habe ich mich nicht getraut, den köstlichen Saft zu trinken oder andere gute Sachen zu mir zu nehmen. Die Ärztin hat mir 5 verschiedene Medikamente verschrieben, aber es wurde immer schlimmer. Vorgestern ging es mir dann so, dass ich nur noch schlafen wollte. Ich lag im Bett, Da kam Reinhold ins Zimmer gestürzt „Du musst sofort ins Krankenhaus“. Er war bei Frau Dr. gewesen wegen seiner Bronchitis und sie hatte nach mir gefragt.

Gott sei Dank haben wir eine gute Reise-Krankenversicherung – ich liege in der besten und teuersten Klinik in Lima. Die Ärzte bemühen sich sehr, die Ursache zu finden, aber sämtliche Laborwerte sind perfekt. Ich hänge an verschiedenen Infusionen und werde ununterbrochen befragt, gemessen, untersucht. Es gibt sehr viel Personal und es scheint alles gut durchorganisiert. An der Wand vor meinem Bett hängt eine Tafel mit meinem Namen und denen meiner Kontaktpersonen samt Telefonnummern. Dazu die Namen der Ärzte und Krankenschwestern, die sich um mich kümmern (jeden Tag aktuell) und eine Spalte meiner Allergien oder Unverträglichkeiten. Dazu noch der Plan für den Tag.

Vor dem Essen kommt eine Diätassistentin, kündigt an, was es gibt und fragt nach meinen Wünschen. Am ersten Tag gab aber nur Gemüsebrühe und Tee, heute hätte es noch Wackelpudding dazu gegeben, aber da ich den nicht wollte und die Brühe sehr gelobt hatte, haben sie mir zwei Tassen davon gebracht und heute Abend auch. Hat mich sehr gefreut.

Reinhold und Frank sind jeden Nachmittag bei mir und wir haben Zeit, ausgiebig miteinander zu reden. Am ersten Abend fragte die Schwester, warum denn mein Mann nicht bleibt. Im Zimmer steht noch eine Liege für Familienmitglieder.

Nicht nur Schönes

(Marianne schreibt) Wir sind in einem der schönsten Hotels, die wir kennen an einem wunderbaren Strand mit angrenzendem Vogelschutzgebiet in Paracas bei Pisco.

Die Enkelinnen sind mal bezaubernd mal sägen sie an den Nerven. Carola und Frank haben Nerven wie Drahtseile, bewundernswert ihre Geduld!

Hier spüre ich, das ich alt werde, ich kann mich auf die rasch wechselnden Stimmungen nicht mehr so schnell einstellen. Aber wenn die Kleinen gute Laune haben, sind sie liebenswert und sehr süß.

Seit wir in Peru sind, habe ich Durchfall, manchmal so schlimm, dass ich mich nicht traue, dass Haus zu verlassen, was natürlich die Stimmung trübt, wenn man gerne in der Stadt und an der Küste entlang läuft. Nach sechs Tagen war ich bei einer Ärztin, die zuerst auf Typhus getippt hat, was sich Gott sei Dank als falsch herausgestellt hat. Ich muss täglich dreimal 3 verschiedene Tabletten dagegen nehmen plus zusätzlich eine für die höllischen Kopfschmerzen sowie eine Elektrolytlösung gegen die Dehydratation. Ich fühle mich grässlich, schlecht gelaunt, alt und sehe aus wie eine Dörrpflaume, was meine Laune auch nicht bessert. Es kann nur besser werden. Die Ärztin kümmert sich per WhatsApp um mich und es geht wieder.

Heute morgen war es auch schon ganz gut, wir haben mit Maluchi einen langen Spaziergang am Strand gemacht, Flamingos, Strandläufer, Möwen (die anderen Vögel kannten wir leider nicht) und Quallen gesehen und Muscheln gesucht.

Und jetzt liege ich unter einer Palme und sehe aufs Meer.

M. Hogar in Montero

Wir haben unsere Patenkinder besucht, die im Waisenhaus „Sagrado Corazon“ leben.

Sie sind zwischen 9 (Noemi) und 17 Jahre (Maria del Carmen) alt und wir waren zuerst in dem Klassenraum, in dem sie heute Glückwunschkarten für alle Eventualitäten gestaltet haben. Heute war kein richtiger Unterricht.

Vorgestern hatten sie ihre Karnevalsfeier mit der Prämierung der besten Kostüme, der besten Gruppenperformance und mit Tanz. Gestern war dann verschärftes Feiern mit Wasserschlacht , Nachlaufen, viel Gequietsche und Lachen .

America und Noemi waren ein bisschen schüchtern und hatten keine Fragen. Noemi haben gar nicht wieder erkannt, aus einem zahnlosen strubbeligen Wesen ist ein niedliches Mädchen geworden .

Wir saßen zusammen mit Maria del Carmen, Marlene, Asunta, America, Lisbeth und Noemie und sie waren alle sehr interessiert. Sie wollten natürlich die neusten Fotos ihrer Pateneltern sehen und fragten uns aus.

Besonders Lisbeth, die zweitjüngste, wollte alles über Friedemann und Margrit wissen, was in der Schule ihre Lieblingsfächer waren, welche Sprachen sie sprechen und was sie arbeiten, wie die Söhne heißen und ob sie viel reisen.

Sie kam dann auch auf die Idee, dass jede einen kurzen Gruß an ihre Pateneltern sprechen sollte.

Maria del Carmen war mir schon beim ersten Kennenlernen aufgefallen, weil sie mich sofort ausgefragt hat. Wo wir wohnen, wie viele Sprachen wir sprechen, was Klaus und Marga arbeiten. Sie ist jetzt im letzten Schuljahr und will nächstes Jahr eine Ausbildung zur Krankenschwester machen.

Asunta erzählte, dass es ihr Leid tue, dass sie jetzt Flöte spielen muss, dabei hat sie das Klavierspielen so geliebt. Und sie war hocherfreut, dass ihre Patin auch Klavier spielt.

Und Marlene wollte genau wissen, was Hannelie studiert und gearbeitet hat. Und ob sie wohl irgendwann mal nach Bolivien kommt.

Und alle fragten immer wieder, ob die Chance besteht, dass sie ihre Pateneltern einmal persönlich kennenlernen könnten, in Bolivien.

Der Abschied fiel ihnen und uns schwer, diesmal war so etwas wie Vertrautheit da. Wir sollen doch bitte nächstes Jahr wieder kommen.

M: 26.2.

Ich freue mich mehrere Male am Tag auf eine kalte Dusche, die nicht wirklich kalt ist. Woher auch?

Wir sind glücklich, abends mit den beiden draußen im Garten zu sitzen und zu reden. Sie fragen uns Löcher in den Bauch, wollen alles über unsere Enkel und die Familie wissen und besonders über unsere Auslandseinsätze. Dabei lachen wir viel. Gestern haben wir ihnen das Video aus Südafrika vorgespielt, wo unser Freund die Sprache mit den Klicklauten spricht. Das klingt für uns so lustig. Unaussprechlich!

Karen sorgt dafür, dass es immer laktosefreie Milch gibt und herrliche Avocados. Heute steht der Besuch bei Alfredos Eltern auf dem Programm, die uns immer kulinarisch verwöhnen. Der Vater war bolivianischer Botschafter in Europa, er ist an allem interessiert, am meisten an der Bundesliga. Sein Verein ist der BVB.

Sie fragen uns nach unserer Meinung. Sie sind stockkatholisch, Richtung Opus Dei und Kommunisten sind für sie die Ausgeburt der Hölle. Aber dass der Krieg in der Ukraine ein Unglück für die Menschen ist, darauf können wir uns einigen. Und dann schauen wir dem vierjährigen Enkel zu, der bei soviel Aufmerksamkeit zu großer Form aufläuft. Seine Oma Luli gibt ihm Schokolade, auch wenn seine Mutter dagegen ist. „Natürlich kriegt er Schokolade, wenn er sie will – wozu sind Omas denn da?“

Wir dachten, nach dem vielen Essen bei Alfredos Eltern wäre es gut, ein bisschen zu laufen. ….

Nach 20 Minuten sind wir umgekehrt und haben das getan, was wir in Rio und in Dar es Salaam auch immer gemacht haben – uns direkt an der Tür die Kleidung vom nassen Körper gezerrt und kalt geduscht.

M: 25.2.

Ich wollte noch kurz erzählen, was uns in São Paulo auf Trab gehalten hat. Wir hatten alles dabei: den aktuellen PCR- Test, eine Erklärung der Auslandskrankenversicherung, dass sie die Kosten für eine Behandlung auch für COVID übernehmen (auf Spanisch und Englisch) und die Impfnachweise natürlich, aber als wir nach Bolivien einchecken wollten, brauchten sie unser Flugticket nach Peru, weil sie sicher sein wollten, dass wir das Land bald wieder verlassen! Dann in zwei Stunden noch die Agentur der Fluglinie suchen, endlose Gänge, in der Schlange warten und Tickets kaufen, egal zu welchem Preis – naja, es hat geklappt. Und wir wurden sehr lieb empfangen.

Was schön ist, wenn man abends ausgeht und außer einem Minimum nichts anziehen muss. Draußen fühlt sich die warme Luft an wie Seide.

Jetzt sitzen wir im Bett und freuen uns auf den Tag mit Alfredo und Karen: Stadtbummel, Besuch unseres Lieblingslokals mit dem besten Maracuya-und Mangosaft und Besuch der Kunstausstellung von Alfredos Onkel.

Vorletzter Tag in Südafrika

20. 3. 20 M.

Heute früh erhielt ich eine Nachricht von Matsetsebale auf WhatsApp, dass er uns erst um zwei abholen würde. Dann könnten wir noch etwas arbeiten und danach essen gehen. Hier machen jetzt alle Restaurants um 18 Uhr zu. So richtig viel zu tun war aber nicht mehr, wir redeten ein bisschen, und er fragte, ob wir weiter Kontakt halten könnten, er hätte uns gerne als Berater im Board of Advisers. Wenn wir können, gerne. Dann verschwand er mit Nené und die beiden kamen mit riesigen Plastiktüten zurück. Sie hatten Getränke und eine wunderbare Torte gekauft und, ich habˋs kaum geglaubt, Teller, Schüsselchen und Besteck. So habe ich doch meine Fußspuren hinterlassen. Jedes Mal wenn sie mit eingeschweißtem Essen und Plastikgeschirr und -Besteck kamen, habe ich etwas gesagt und auf die Müllberge verwiesen, die wir täglich hinterließen. R und ich hatten schon Gläser gekauft, aber die muss man eben auch immer spülen. Dann kamen Spüli und Tücher dazu und nun brauchen sie bald einen Schrank. Zur Zeit steht noch alles auf dem Konferenztisch. Es war so nett, wie sie lachend und stolz uns gegenüber saßen und wir alle die Torte verspeist haben.

Dann mussten wir uns beeilen, noch in unser Lieblingsrestaurant „Baobab“ zu kommen, damit wir rechtzeitig fertig wären. Morgen wird uns Tsetse zum Flughafen nach Johannesburg fahren, aber vorher müssen wir zu ihm kommen, seine Eltern sind auch in Pretoria und sie bestehen darauf, uns zum Lunch einzuladen. Man hat uns erklärt, dass es für Afrikaner sehr wichtig ist, dass die Gäste immerzu etwas zu essen haben, nein sagen geht gar nicht. Okay, dann müssen wir rechtzeitig packen und fahren gleich vom Lunch zum Flughafen. Mit Rs Mittagsschlaf wird es wieder nichts, aber er kann in den kommenden Wochen so viel schlafen………

Tati hat gerade angerufen, ihre mündliche Prüfung am Montag wurde abgesagt. Heute fanden sie noch statt. Jetzt hängt sie in der Luft und muss warten, bis es irgendwann weiter geht. Bewerben kann sie sich ohne die letzte Prüfung auch nicht. Sie weiß nicht, was sie machen soll, lernen muss sie nicht mehr, ihr Zimmer hat sie schon ein paarmal aufgeräumt und die Fenster geputzt. Wäre schön, wenn sie bei uns sein könnte!

Vortrekker Monument

18.3.20 M: Heute, an unserem Hochzeitstag haben wir uns eine Auszeit genommen und sind in die Stadt gefahren. Wir wollten ein paar Mitbringsel kaufen und Reinhold wollte das Vortrekker Monument sehen. Vortrekker waren die Buren (Holländer), die , nachdem die Engländer in der Kapprovinz gelandet waren, ins Landesinnere zogen. Die Engländer brachten ihre Gesetze mit, verboten die Sklaverei und führten Englisch als Landessprache ein. Die Buren wollten ihre Lebensweise und ihre Sklaven behalten und zogen ins Landesinnere mit Planwagen, ihren Familien und schwer bewaffnet. Sie bekämpften die hier lebenden Völker. Gegen die Zulus wurde es schwieriger, die schlugen zurück und griffen sie an. Dank ihrer Taktik, Wagenburgen zu bauen und sich darin zu verschanzen, konnten ihnen die Zulus nichts anhaben. Bevor sie zu einer Vergeltungsschlacht aufbrachen, beteten sie zu Gott, er möge ihnen die Feinde ausliefern, und legten ein Gelöbnis ab, dass sie ihm zum Dank für den Sieg einen Feiertag weihen würden. Den Feiertag gibt es immer noch, er ist am 16.12. Am Ende gewannen sie, und der Zulu-König musste einen Unterwerfungsvertrag unterschreiben, den er natürlich nicht verstand.

Das Monument wurde 1949 eingeweiht und ist das Widerlichste, was ich in dem Bereich je gesehen habe. Die Buren werden als gottgefällige Familien dargestellt, die Zulu als Wilde, die mit ihren Speeren Frauen und Kinder massakrieren. Die Burischen Männer und Frauen hatten Gewehre und mähten alles nieder. Der Fluss, an dem die Schlacht stattfand, wurde „Blutfluss“ getauft.

Der Stil des Denkmals ist bombastisch und erinnert an das Völkerschlacht-Denkmal bei Leipzig.

Da wendet sich der Gast mit Grausen.

Heute Abend bei unserem Hochzeitstagsessen gab es keinen Alkohol mehr, wegen Corona! Es waren auch weniger Gäste als sonst.

Morgen ist unser Abschluss- Meeting im Büro und für nachmittags haben wir die Mitarbeiter zum Essen eingeladen.

Am Samstag wird gepackt und das war’s dann.