Sidmouth am Sonntag

Massenexodus ins Freie. Die Sidmouther genießen Sonne und Wärme im Winter. Januar ist statistisch der kälteste Monat mit dem meisten Regen. Seit gestern scheint die Sonne.

Der rote Sandstein an der Steilküste zeigt in seinen Schichtungen, dass er 235 Mio Jahre alt ist und Wüste war. Steht hier.

So oder ähnlich sah es mal aus

Sie reden mit mir als wäre ich von hier. Meist genügt mein berühmtes Lächeln. Wenn ich was sagen muss, versuche ich kurze, gut überlegte Sätze. Das ist kontraproduktiv, dann gehts Gerede geschwind weiter und sie schauen geradeaus. Ich versteh aber nur die Hälfte, wenn’s geschwind weiter geht und sie mich nicht anschauen. Muss ich jetzt stottern?

Ich strahle um die Wette mit Sonnenschein und Menschen. Was hab ich wieder für ein Glück!

Sonntag morgen 8:00Uhr. Möwen haben mich geweckt. Ich höre sie nur, der Blick aus dem Fenster geht in einen Schacht in den unten die Küche ihre Abluft bläst. Die kleinen Sprossenfenster sind schön dicht.

Frühstück ist im Preis, ansonsten ist es teuer hier. Ich glaub nicht, dass ich solch einen Fettklumpen die ganze Woche schaffe, auch wenn es ökonomisch sinnvoll ist. Er hält lange vor.

Der Brexit hat, so ein weiteres Argument, mit Demokratie zu tun. Abgeordnete werden persönlich gewählt. Sie kümmern sich Wochenende für Wochenende persönlich um Sorgen und Nöte ihrer Wähler. Tun sie das nicht, sind sie schnell weg vom Fenster. Europas Abgeordnete kennt keiner (ich auch nicht). Und wenn bei Problemen Brüssel angeschrieben wurde, sagen sie, kam nie eine Antwort. Auf der Ebene liegt auch mein Problem. Ich liebe die Freiheiten der EU. Und kritisierte die menschenferne, anonyme Maschinerie. Ich bin gespannt, wie sich die UK ohne Brüssel entwickelt.

5 km den Hügel hinan und hinab und durch die Stadt gelaufen, jetzt tun mir die Beine weh. Wie den Ameisen, den zweien, die wollten von Hamburg nach Australien reisen. Doch bei Altona

auf der Chaussee, da taten ihnen die Beine weh. Und so verzichteten sie weise, auf den letzten Teil der Reise. Ich will aber nicht verzichten. Nochmals von Porto nach Santiago pilgern ist mein Traum.

Mein Hotel

Eine Reise nach England

Mit dem Eurostar nach London

Frankfurt 8:00 Uhr morgens. Los geht’s! Hanne hat mich zum Zug gebracht, jetzt fahren wir nach Brüssel. Bin mal gespannt, was die Woche bringt. Englischkurs in meinem Alter scheint nicht gewöhnlich.

Deutschland ist grau. Überall. Und kalt ist s auch im Zug. Vielleicht geht ja im Winter die Klimaanlage, die im Sommer nicht ging.

Der Zugführer spricht deutsch, holländisch, belgisch (oder ist das französisch?) und englisch. Klingt, als wäre er Niederländer. Einem deutschen Zugführer trau ich das nicht zu. Seltsam, seltsam, meine kleinen rassistischen Anwandlungen.

Wieso ist diese Banane über Nacht matschig geworden? Ich ekle mich vor matschigen Bananen. Augen zu und durch, sie ist gesund. Schwarzbrot mit Käse und Banane. Und Apfel! Die Reste.

Lese bei Brunetti: Der Vater Ägypter, hat seine 16 jährige Tochter erstochen, weil ein Mitschüler sie in Facebook gefragt hat, ob sie mit ihm Kaffee trinken will. Griffon glaubt ihm seine Reue nicht. Männer, erklärt sie Brunetti, wollen alle mehr oder weniger Frauen kontrollieren. Das erschreckt mich.

Köln. Die dickliche Mutter schnallt sich den kleinen Ranzen ihre Tochter um. Die hat Lippen wie die Kinder bei der Klima-Demo in Marburg, die „ich bin wütend“ schrieen. Leute schlafen, dick eingemummelt in Wintersachen. Dahinter Julia Glöckner Doppelgängerin. Die Trinkflasche hat sie vollständig mit einem Tüchlein gereinigt.

Ist was anderes an Belgien? Ja, kleiner, schmucker die Häuschen, Ziegelstein-rot, Dachsparren und Fenster weiß umrahmt, gibt dem Ganzen eine gewisse Leichtigkeit. Mir fällt wieder auf, wie protzig vieles in Deutschland ist

Die Frage nach sicherlich abgestufter Kontrollsucht von Männern lässt mich nicht los. Wollen Frauen nicht auch Männer kontrollieren? Und wie kann man diese Sucht abstellen?

Eine Kirche, heller Stein ziseliert, erinnert mich an Gaudi. Dahinter das Atomium. Warum hält der Zug zuerst in Brüssel-Nord? Wir kommen aus dem kalten Osten.

Brüssel-MIDI. Internationale Züge in einem eigenen Sektor. Alles wie im Flughafen. Nur kleiner. Sicherheitscheck (fast bis auf die Unterhosen, sogar das Portemonnaie musste ich durch die Röhre schieben. Aber das Einhandmesser haben sie nicht moniert), Passkontrolle EU, Passkontrolle UK (von wegen Europa und freier Grenzverkehr), Duty Free (eine kleine Flasche Whisky gekauft, fahr schließlich ins Land derer, die davon leben) und Wartehalle. Es fahren eine Menge Leute nach England.

Im Tunnel unter der Nordsee. Schon unheimlich. 75 m tief unter Seelevel, 53 km lang ohne Ab-und Anstieg. Und der Zug saust mit Höchstgeschwindigkeit da durch. Über 300 km/Std. Maximum. Was der Mensch alles erreicht hat! Eine Röhre auf Rädern, weich gefedert wie auf Daunen, saust durch die Landschaft, hängt neben der Autobahn kurz mal Porsche ab und verschwindet unter dem Meer.

Die Insel. Langestreckte Hügelketten, viel Weide, Gehölz, dazwischen Anwesen, einige groß, über einen Fluss in die Stadt.

London St. Pancras.

St Pancras London

Riesig die U-Bahn, die Auskunft sehr freundlich. Die Piccadilly line fährt bis zum Flughafen Heathrow. Da wartet ein Bus. Warum klingt das alles so bekannt? King’s Cross, Covent Garden, Leicester Square, Piccadilly Circus, Hyde Park Corner, Kensington, Hammersmith.

Fahrt nach Sidmouth.

Muss mich wieder dran gewöhnen, dieses Fahren auf der falschen Seite. We are driving at the right side widerspricht unser Fahrer. Wir sind zu dritt, es ist nichts los in der Sprachschule. Im Sommer, sagt der Fahrer, muss er bis zu 100 Jugendliche abholen. Der jüngste Schüler war 8, der älteste 92.

Der untergehenden Sonne entgegen die im roten Abendhimmel versinkt. An Stonehege vorbei. Stand dunkel und schwer in der Abenddämmerung rechts ganz nahe auf einem niedrigen Hügel. Berührt mich. Zeuge einer Vergangenheit, von der wir wenig wissen.

Angekommen. Überfreundlich begrüßt, Dukes war und ist ein Pub mit Restaurant und eine Handvoll Hotelzimmer direkt am Meer. Meins unterm Dach juchhe ist klein aber fein und gemütlich. Nur den Adapter für andere Steckdosen habe ich nicht mitgenommen. In der Annahme, England wäre europäischere. War wohl eine falsche Annahme. Der nette Hotelmann ist gleich losgerannt, er weiß einem, der einen hat und schon hab ich einen. Adapter. Nicht Hotel-Mann.

Ich bin völlig geplättet von der Freundlichkeit. Der nette Ober kommt auf mein Winken in die Bar gerannt, ich will meine Bestellung aufgeben, oh, you must do it at the bar, ich bewege mich, no no, leave it with me, I will do it for you. Die Gäste stellen sich an der Bar hintereinander an, lassen sich beraten, bestellen in aller Ruhe Getränke und Essen, bezahlen und dann kommt der nächste dran.

Hab schon zwei Whisky mit Ginger Ale und jetzt probiere ich ein Ale (schmeckt wie Tröpfelchenbier). Und jetzt kommt mein Abendessen. Morgen setz ich in den Blog was heute war. Wie isst man einen Hamburger?

Abendessen

Ich hab es zwar geschafft, mich nur mit dem letzten Bissen zu bekleckern, der Tisch allerdings sieht nicht gut aus. Auf dem Boden müsste auch mal aufgeräumt werden.

Und dann will ich Sport im ZDF sehen und dann steht das, nur für Deutschland und dann werde ich fuchtig und finde VPN, mit dem simuliert man den Empfang in Deutschland und dann sehe ich noch Freiburg und Streich im Interview und Frankfurt gewinnt und Bremen gewinnt und ich kann ruhig einschlafen.

Eine Reise durch das Griechenland der Antike V

Letzter, 8. Tag

Athen liegt am Meer. So eine lange Küstenlinie hatte ich mir nicht vorgestellt. Anastasia sagt, der Athener trinkt im Winter seinen Kaffee im Zentrum, im Sommer am Wasser. Essen geht er abends gegen 11:00 und zum Trinken um 1:00 Uhr. Es gibt Bars, die machen morgens um 5.00 auf. Sagt Anastasia.

Der Verkehr ist erstaunlich ruhig, kein Gehupe, kein Gedrängel.

Moderne Gebäude wechseln ab mit Ruinen (neueren und alten). Parlament, Universität, Bibliothek neoklassizistisch (schön, wirklich), Säulen, echt und Säulen nachgemacht mit Philosophen, Göttinnen und Göttern drauf und ein Denkmal mit Lord Byron, dem die Athene (oder wer auch immer) in den Ausschnitt fasst. Er soll gedichtet haben. Sieht ein wenig schwul aus. Und über allem die Akropolis.

Christen haben die alten Tempel zerstört und abgetragen. Muslime, also Türken, die hier hunderte Jahre herrschten, nicht. Die hatten Respekt. Einer hatte keinen. Die Säule, die er abbauen ließ (nehme an, für seinen Vorgarten) brachte ihm Unglück. Es gab eine Epidemie in der Stadt und prompt haben sie seinen Frevel dafür verantwortlich gemacht und ihn geköpft. Nix war mit der Paulusliebe bei den Christen. Extreme, sagt Anastasia, waren schon immer übel.

Akropolis

Ich sag nix mehr. In meinem alten Kochbuch steht unter Pekingente: nach Peking fahren, Ente essen. Nach Athen fahren, Akropolis ansehen. Aber erst ins Museum und sich die Schönheiten von einem Guide erklären lassen. Ich bin hin und weg. Und weiß jetzt, woher Michelangelo seinen David hat. Kommt mir vor, als wären die Originale noch schöner. Alle ihre Figuren, ob Frauen oder Männer, haben Knackärsche und perfekte Körper.

Die Bildhauer damals haben Bodybuilder verehrt. Anastasia sagt, ihr Ziel war, Geist und Körper gleichermaßen zu trainieren. Haben die Alten gesagt und die Jungen gemeint.

Und dann der Fries, der oben an der Akropolis sich wie ein Band um den gesamten Tempel herumzog. Und Athener beim Einzug ins Heiligtum mit ihren Opfergaben zeigt. Zu Fuß, zu Pferd, mit Ochs und Esel, mit Lamm und Ziege. Alles aus Marmorplatten 8 cm tief herausgearbeitet so als wäre es ein lebensechter Film. Anastasia erzählt, dass 1801 ein englischer Lord mit gefälschten Papieren die meisten Platten abgeschlagen und Schiffe voll abtransportiert hat. Die Kostbarkeiten hat er an das Britische Museum verkauft, die sagen, sie hätten Papiere und deshalb sehen die Griechen (und wir) viele Gipsabdrücke. Aber auch die können die einzigartige Kunst und Schönheit der Originale zeigen. Jetzt schreib ich ja doch. Ich bin halt begeistert.

Oben auf der Akropolis ist Japan ausgewandert. Nun ja, wir sind ja auch da. Anastasia sagt, das sei im Sommer unerträglich.

Die Bauarbeiten mit Kränen müssen zur Renovierung wohl sein. Ich ahne, welch herrliche Tempel das mal waren. und der schönste ist der, den ich immer Akropolis nannte. Doch er heißt Parthenon  und „ist der Tempel für die Stadtgöttin Pallas Athena Parthenos auf der Athener Akropolis.“ (sagt Wikipedia).

Die gesamte Anlage mitsamt Toren und weiteren Tempeln war gleichzeitig Schutzburg mit einer Mauer drumherum und nahm die Athener bei einem Angriff auf. Aus dieser Zeit gibt es Geheimgänge. Als die Nazis Athen eingenommen hatten, pflanzten sie ihre Hakenkreuzfahne, oben auf die Akropolis. In der Nacht sind zwei Studenten durch den Geheimgang und haben die ungeliebte durch die griechische Flagge ersetzt. Da waren sie sauer, die braunen Horden. Ha!!! Hat natürlich Anastasia erzählt.

Morgen fliegen wir zurück. Ich bin voll Ouzo, Retsina, gutem griechischen Essen, strahlend blauem Himmel, grünen Hängen, silbernen Olivenplantagen, goldenen Orangenbäumen, türkisblauem Meer, alten Steinen, Säulen, Ton- und Kupfergegenständen, Marmorstatuen und Wissen.

Ach ja, Demos der Schüler Fridays for Future gibts auch

Eine Reise durch das Griechenland der Antike IV

Nafplio, Theater von Epidaurus, Istmus von Korinth, Poseidon Tempel am südlichsten Punkt von Attika. Athen

24 Grad, knallblauer Himmel.

Nafplio war mal provisorische Hauptstadt von Griechenland und Otto I hat da gewohnt (der junge Bayer, den sie 1832 zum ersten König gemacht haben, nicht Rehagel). Oben die Festung ist mordsgross und in 3 Jahren gebaut. Können sich die Berliner ein Beispiel nehmen.

Epidaurus.Theater. 15000 Leute passen rein. Klaus und Marga erzählen, dass sie vor 40 Jahren bei ihrer Rundfahrt durch Vorderasien (im umgebauten R4) von ganz oben die Mädchen aus dem Nachbardorf im babylonischen Sprachengewirr unten am Platt heraushörten.

Noch immer ist die Akustik grandios. Anastasia sagt, sie haben die Akustik des Theaters wie Instrumente gestimmt und noch immer weiß man nicht genügend, wie.

Anastasia bleibt unten, wir steigen hoch. Sie lässt Papier rascheln, schnipst mit den Fingern, klatscht in die Hände und atmet tief und wir hören es deutlich bis in die obersten Ecken.

Im Winter haben die griechischen Stadtstaaten gegeneinander Krieg geführt, im Sommer gabs Theater. Jede Woche drei Tragödien und eine Komödie. Der reichste Mann des Ortes musste die Schauspieler bezahlen. Zwanzig Leute hatte die Truppe, drei Schauspieler, zwei Kulissenschieber und der Rest war Chor und Tanztruppe für die Umzugspausen. Die drei Männer haben mit einer Maske vorm Gesicht alle Rollen gespielt. Auch Frauen. Röcke hatten sie eh an. Nur die Spartaner haben im Sommer Krieg geübt.

In der Nähe liegt die bedeutendste Kultstätte für den Heilgott Äskulap (Asklepios), der mit der Schlange. Gleichzeitig war es eine große Kuranlage. Die Schlange steht für Gift und Vertilgung von Ungeziefer. Und Gift in kleinen Mengen – weiß man ja. Gegen Magenschmerzen haben sie Milch mit Honig und Sellerie verschrieben. Eine Vitrine voller feinster chirurgischer Instrumente, so 600 Jahre vor C datiert. Anastasia sagt, den ersten Kaiserschnitt haben sie hier gemacht

Du guckst in Griechenland um dich – schneebedeckte Berge. Man kann, sagt Anastasia, wenn man will, Ski fahren im Schnee und eine halbe Stunde später im blauen Wasser.

Istmus von Korinthos

Nun ja. Ein Durchstich halt an der engen Stelle der Landverbindung zwischen Festland und der Halbinsel Peloponnes im Süden. Fällt mir auf, um die Zeit, so 1880, haben sie auch am Panama Kanal gebuddelt. Die sind erst mal pleite gegangen. Der Durchstich am Istmus war kleiner.

Viel interessanter fand ich den ehemaligen Hafen wo Paulus gelandet ist. Hier, in der Bucht.

Damals war Korinth eine römische Großstadt. Viel erreicht hat er nicht, doch in seinem Brief an die Gemeinde hat er das Hohelied der Liebe geschrieben. Hätt ich diesem Eiferer nicht zugetraut:

Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf,

sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu,

sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit;“

Da geb ich ihm Recht.

Kap Sounion (M)

Auf dem Weg dorthin haben wohlhabende Athener ihre Wochenendhäuser und ihre Jachten.

Sie fahren am Wochenende zum Kap, dem äußersten Punkt einer Halbinsel in der Ägäis, zur Küste mit ihren Buchten, dem klaren türkis – bis tiefblauen Meer, darüber der unwirklich blaue Himmel. Die Vegetation ist zu dieser Jahreszeit üppig grün. Der hübsche weißen Poseidontempel ist schon von weitem zu sehen. Dort bewundern sie die malerischen Sonnenuntergänge. Ich wäre am liebsten dort geblieben (M)

Wir fahren nach Athen, immer der Küste entlang

Eine Reise durch Griechenland der Antike III

Thessaloniki, Pella, Vergina, Meteora, Thermopylen, Delphi, Olympia, Nafplio, Mykene, Epidauros, Korinth, Athen, einmal rund um Festland und Peloponnes. Im Bus.

Manchmal bring ich sie durcheinander, die Stationen der Fahrt. Dann weiß ich nicht mehr, wo ich gestern war.

Olympia ist ein Steinbruch mit zerborstenen Säulen und enormen Steinblöcken.

Allein die schiere Größe des Areals hat mich beeindruckt. Und die Sportart Pankration. Das war Ringen und Boxen bis zu Aufgabe oder Tod. Einen gabs, sagt Anastasia, der hat alle Kämpfe gewonnen. Seine Spezialität war der Genickbruch. Gewonnen hat er oft, weil der Gegner schon bei der Auswahl die Hand hob und aufgab.

Olympia war ein heiliger Ort, dem Zeus geweiht. Der kriegte Stiere als Opfergabe. Die wurden ganz verbrannt und stanken wie die Pest. Gegen Blut, Mücken und Geruch verkohlten sie haufenweise Weihrauch. Alex der Große hat mal ein Schiff voll des wertvollen Gutes gesandt. Da waren die anderen Spender sauer. So viel konnten sie nicht. Es gab noch andere Götter, denen geopfert wurde. 3600 (oder 6300, das hab ich vergessen). Für jeden Charakter einen. Die kriegten kleinere Opfer. Wenn genug geopfert war, begannen die Spiele. Waren sie fertig, wurde nochmals geopfert. Deshalb hieß der Ort der Olympiade Heiliger Hain. Nachdem Konstantin 312 n.C. das Christentum eingeführt hatte und Griechenland zum Römischen Reich gehörte, waren die Götter ein Dorn im Auge. Der Nachfolger Theo-dingsda versprach jedem einen Haufen Gold, der einen Tempel abriss. Gold gewann und Olympia verlor. Den Rest besorgten Erdbeben. Ach ja, das Christentum hat Konstantin nicht daran gehindert, seine Frau und seinen ältesten Sohn umbringen zu lassen.

Anastasia informiert. Ständig. Ohne Pause. Die ich brauche. Sonst quillt mein Kopf über. Kann ich mich ihrem enormen, detailversessenen Wissen bei den Besichtigungen alter Stätten und Museen noch entziehen – ich ziehe den Knopf im Ohr raus und höre nur zu, wenn ich aufnehmen kann – ist das im Bus nicht möglich. Sie benutzt den Lautsprecher. Und teilt zwanghaft am laufenden Band mit, was sie sieht und was ihr durch den Kopf geht. Von Krösus bis zur Feststellung, wir fahren jetzt durch einen Tunnel wenn wir durch einen Tunnel fahren. Von Olivenbäumen in Kreta bis zum Eisenmangel ihres Vaters (Griechen essen viel Zitrone deshalb, sagt sie). Von der Methode der Oma, die Säure des Olivenöls zu testen (in der Öllampe, wenn es zischt, hat es zu viel) bis zur Größe der Kartoffeln (Griechen essen nur große, kleine verkaufen sie an Barbaren, also uns). Von Athene, von Olivenholz dem harten und Ziegen, von Sofia und der Weisheit Gottes, von der Philosophie, die weiß, das sie nichts weiß. Von Blüten und Regen, von Christus und Olivenbäumchen, Feuerschutzzonen, Agamemnon, der Heimat von Herkules. (Das eben war eine Mitschrift in Stichworten). Viel lernen kann ich von ihr. Könnte ich. Wenn ich nur ein Bruchteil behalten täte. Manchmal frage ich sie aus.

Jetzt ist sie bei Argos angelangt. Der hat sich einen Nagel aus dem Fuß gezogen um göttergleich zu werden. Den Rest hab ich vergessen. Agamemnon kommt morgen dran, sagt sie.

Zum Everest wollte ich schon immer mal

Wir sind im Hotel Amalia in Nafplio. Wunderschön, großzügig, geradlinig, eines der schönsten, die ich kenne. Stil nach Frank Lloyd Wright (Einfachheit und Ruhe).

Mykene, die uneinnehmbare

liegt oben zwischen Hügeln, wurde öfters angegriffen, nie erobert, 18 m hohe und strassenbreite Mauern und der Engpass des Löwentors haben das verhindert.

Bis heute. 100e, aberhunderte strömen durch die Ruinen. Bekannt auch ist Mykene durch Agamemnon, Anführer des griechischen Grossheeres im Krieg gegen Troja. Anastasia sagt, das mit dem Raub der schönen Helena durch Paris sei Sage, den Mykener wars zu Hause zu eng geworden, wollten neue Städte gründen und Eisen brauchten sie auch. Nach so 10 Jahren haben die Griechen Troja erobert, Agamemnon fuhr nach Hause und wurde von seiner Frau mit Liebhaber im Bad erdolcht. Pech.

Schliemann war der Erste, der die Sagen ernst nahm, Troja ausgrub und außerhalb der Stadtmauer von Mykene viele Goldschätze fand.

Zwei Tage im selben Hotel ist eine Wohltat.

Eine Reise durch Griechenland der Antike

In Griechenland gibt es 81 Bären, Wölfe, die in die Orte kommen, Füchse, die in Hotels übernachten, ganze Wiesen voller knallroter Mohnblumen, Windschutzscheiben mit kräftigen Mückenflecken, endlose Wälder, sattgrüne Hügel (ich dachte, das Land sei kahl), schneebedeckten Gebirgszüge, keinen Kernkraftwerken, kaum Industrie (deshalb kaufen Sie so viel in Deutschland) und Angst vor den Türken.

Wir hatten mehr Zeit als geplant gebraucht, nach Thessaloniki zu kommen. Ein Drohne über dem Flughafen in Frankfurt genügte und alle Flüge waren gestrichen. Fünf Km sind wir durch den Irrsinn des Flughafens gelaufen an dem Morgen, zwei Mal durch die Sicherheitskontrolle (Toria sagt, jetzt kann sie es) um nach 12 Std. anzukommen. Das Wetter in Thessaloniki war schön.

Der weiße Turm, das Wahrzeichen der Stadt, von Suleyman dem Prächtigen errichtet (was für ein Name!) war Befestigung, Gefängnis und Exekutionsort. Oben wurden die Delinquenten geköpft, mit ohne Kopf nach unten an die Außenwand gehängt und ausgeblutet. Rot war der Turm nach kurzer Zeit. Die Geschichte sagt, ein Delinquent habe sich frei gekauft, weil er versprach, den Turm weiß zu streichen. Heute ist er grau.

Anastasia redet wie ein Wasserfall über Historisches, Aktuelles und Zukünftiges. Ich weiß jetzt, warum auf Ikonen Christus unterschiedliche Fingerstellungen hat. Und wer alles Thessaloniki erobern wollte (hab’s wieder vergessen). Und das 65 % der griechischen Männer Grigorius heißen. Sie ist eine dauerredende Enzyklopädie.

Zores im Hades
Pella, westlich von Thessaloniki gelegen, war Makedonische Hauptstadt und Geburtsort von Alexander dem Großen. Es gibt da ein Museum mit Funden aus der ehemals großen, alten Stadt. Lachend hat uns Anastasia das letzte Schreiben der Ehefrau übersetzt, das sie ihrem verstorbenen Mann auf den Beinschienen befestigt hatte. Sie schreibt ihm, dass er im Hades die Hände von schönen Frauen zu lassen hat. Denn, wenn sie nachkommt, irgendwann, und er was angestellt hat, dann kann er was erleben! Dann gibts Zores.

Vielleicht bin ich ja über Wege gelaufen, die der große Alexander auch benutzt hat. Ich begreife nicht, wie jemand aus dem kleinen Land Makedonien ein Weltreich bis nach Indien erobern kann. Gesoffen hat er viel bei seinen Gelagen, auch Symposien genannt. Anastasia sagt, er sei an einem Leberschaden gestorben.

Zum ersten Mal sehe ich, welch hochstehende Kultur die alten Griechen hatten. Fließend Wasser, Abwassersystem. Schöne, große Häuser, bemalt und mit Mosaikböden. Fein ausgearbeitete Zierfiguren und Geräte, Amphoren für Wein mit doppelwandigem Kühlsystem, Thermoskannen aus glattem Silber, Energiesparöfen, die heute für Entwicklungsländer „neu“ entdeckt werden, 11000 Jahre alt,

fein ziselierter Gold und Silberschmuck, kleine, lebensecht aussehende Figürchen als Zierde. Das war, als die Kelten bei uns oben auf dem. Berg hausten und mit Keulen die Eisenhäuser Nachbarn erschlugen. Da hatten die Griechen schon automatische Steuerungen für Schiffe.

Königsgräber
◦ Die Makedonier begruben gerne in Hügelgräbern. Nur wenige sind erschlossen. Ein sehr sympathischer Archäologe – zumindest sieht er auf dem Bild so aus – Andronikos mit Namen, hatte schon als Student am Hügelgrab bei Vergina mit seinem Professor gegraben. Selber Professor machte er weiter mit seinen Studenten. Und fand einzig ordinäre Gräber im Hügel. Und dann fiel er in ein Loch. Sie sind ihm mit einer Strickleiter nachgestiegen. Und fanden ihn auf Knien und weinend. Er hatte das Grab des Königs Phillip II, dem Vater Alexander des Großen entdeckt. Eine Sensation. Eine ganze Halle voll der schönsten Gebrauchsgegenstände und Schmuck aus Gold, Silber, Elfenbein, Kupfer, Eisen waren in seinem und den anderen Gräbern in seiner Umgebung. Andronikos hatte sich im Hügelgrab ein unterirdisches Museum gewünscht bevor er an Krebs starb. Bald wäre ich nicht reingegangen, ein Museum pro Tag reicht. Anastasia hat mich überredet. Und hatte Recht. So etwas Fantastisches, Wertvolles und Alltäglich-schönes hab ich noch nie gesehen.

Der Goldene Larnax (Chrysi Larnaka) mit dem Stern von Vergina, ein sechzehnstrahliges Sonnensymbol, auf der Oberseite enthält vermutlich die sterblichen Überreste des Königs Philipp II. von Makedonien, darüber schwebend ein goldener Eichenkranz. Foto und Text aus Wikipedia http://www.vergina.

Meteora
Tausende Touristen, Koreaner, Mittelamerikaner, Japaner, Deutsche Diözese Gruppen, Griechen, aller Herren Länder drängeln sich wie Ölsardinen durch die engen Gemäuer der Klöster oben auf den Bergen. Asiatinnen posieren in exponierten Posen mit aufgesetzten Lächeln, das umgehend nach der Aufnahme verschwindet. Im Sommer, sagt Anastasia, stehen hier 80 Busse mit russischen Pilgern.
Vor 40 Jahren waren wir alleine. Wir mussten nicht mehr mit Seilen aufgezogen werden, es gab schon Pfade, aber die Netze an Winden gab es noch. Die Ruhe, der Frieden hatte mich in seinen Bann gezogen. Ich wollte eine Zeit lang bleiben.
Aus dem Gewusel heute wollte ich nur verschwinden.

Thermopylen
Mit Wolfgang folgte ich damals, über 40 Jahre ist’s her, der Landstraße gen Süden, wir kamen an einen mit Kiesel bestreuten Parkplatz vorbei und hielten. Ich weiß, wie mich der Ort in seinen Bann zog, irgend etwas war hier. Später erfuhr ich den Grund. Leonidas mit seinen Spartanern ist hier gefallen. In der Schlacht an den Thermopylen. Der kleine Haufen aus Spartanern und Verbündeten hat bis zum letzten Mann gekämpft am engen Pass, um Xerxes, den Perserkönig mit seinen 100tausenden Mann starken Heer an der Eroberung der griechischen Stadtstaaten zu hindern. Sie wurden verraten. Von einem Griechen. Und starben. Nicht ohne dem Xerxes enorme Verluste bei zu bringen. Kann sein, dass die Griechen heute noch denken, mit diesem heroischen Verhalten sei auch Erdogan zu besiegen. Ihre militärische Aufrüstung jedenfalls legt den Verdacht nahe.
Heute ist ein Denkmal da. Und in geöffneten Heckklappen von Autos kann man Kirschen und Honig kaufen.
„Wanderer, kommst du nach Sparta, verkündige dorten,
du habest uns hier liegen gesehen,
wie das Gesetz es befahl.“

Delphi, ach Delphi
Solch einen Haufen Steine. Und alle alt, sehr alt. Weiß man ja, dass hier einst die Orakel ihre mehrdeutigen Weissagungen ziemlich bekifft vor sich hin orakelten. Und alle glaubten an ihre Weisheiten. Wie der König, der einen Kriegszug plante, das Orakel ihm deutete, wenn er den Fluss überquere, würde ein Königreich verloren gehen. Unser König überquerte frohgemut den Fluss in der Erwartung auf Zugewinn, doch es war sein eigenes Königreich, das er verlor.
Anastasia erzählt, dass es 100 Priester gab. 50 in offizieller Mission, die Orakel beim orakeln unterstützend und 50 geheime, die sich in normaler Kleidung unters Volk mischten. Sieben Tage mussten die Bittsteller warten bis sie vorgelassen wurden. Zeit genug für die geheimen Priester, alle Kandidaten auszufragen, zufällig natürlich und unauffällig. Politisch war das Ganze. Athen als Führerin der 50 Stadtstaaten passte auf, das nichts gegen ihre Interessen eingefädelt wurde. Und dementsprechend fiel das Orakel aus. Geh nur über den Fluss, da wo auch wir erobern wollen und wir zeigen dir, wer der Herr ist.