Eine Reise durch Griechenland der Antike

In Griechenland gibt es 81 Bären, Wölfe, die in die Orte kommen, Füchse, die in Hotels übernachten, ganze Wiesen voller knallroter Mohnblumen, Windschutzscheiben mit kräftigen Mückenflecken, endlose Wälder, sattgrüne Hügel (ich dachte, das Land sei kahl), schneebedeckten Gebirgszüge, keinen Kernkraftwerken, kaum Industrie (deshalb kaufen Sie so viel in Deutschland) und Angst vor den Türken.

Wir hatten mehr Zeit als geplant gebraucht, nach Thessaloniki zu kommen. Ein Drohne über dem Flughafen in Frankfurt genügte und alle Flüge waren gestrichen. Fünf Km sind wir durch den Irrsinn des Flughafens gelaufen an dem Morgen, zwei Mal durch die Sicherheitskontrolle (Toria sagt, jetzt kann sie es) um nach 12 Std. anzukommen. Das Wetter in Thessaloniki war schön.

Der weiße Turm, das Wahrzeichen der Stadt, von Suleyman dem Prächtigen errichtet (was für ein Name!) war Befestigung, Gefängnis und Exekutionsort. Oben wurden die Delinquenten geköpft, mit ohne Kopf nach unten an die Außenwand gehängt und ausgeblutet. Rot war der Turm nach kurzer Zeit. Die Geschichte sagt, ein Delinquent habe sich frei gekauft, weil er versprach, den Turm weiß zu streichen. Heute ist er grau.

Anastasia redet wie ein Wasserfall über Historisches, Aktuelles und Zukünftiges. Ich weiß jetzt, warum auf Ikonen Christus unterschiedliche Fingerstellungen hat. Und wer alles Thessaloniki erobern wollte (hab’s wieder vergessen). Und das 65 % der griechischen Männer Grigorius heißen. Sie ist eine dauerredende Enzyklopädie.

Zores im Hades
Pella, westlich von Thessaloniki gelegen, war Makedonische Hauptstadt und Geburtsort von Alexander dem Großen. Es gibt da ein Museum mit Funden aus der ehemals großen, alten Stadt. Lachend hat uns Anastasia das letzte Schreiben der Ehefrau übersetzt, das sie ihrem verstorbenen Mann auf den Beinschienen befestigt hatte. Sie schreibt ihm, dass er im Hades die Hände von schönen Frauen zu lassen hat. Denn, wenn sie nachkommt, irgendwann, und er was angestellt hat, dann kann er was erleben! Dann gibts Zores.

Vielleicht bin ich ja über Wege gelaufen, die der große Alexander auch benutzt hat. Ich begreife nicht, wie jemand aus dem kleinen Land Makedonien ein Weltreich bis nach Indien erobern kann. Gesoffen hat er viel bei seinen Gelagen, auch Symposien genannt. Anastasia sagt, er sei an einem Leberschaden gestorben.

Zum ersten Mal sehe ich, welch hochstehende Kultur die alten Griechen hatten. Fließend Wasser, Abwassersystem. Schöne, große Häuser, bemalt und mit Mosaikböden. Fein ausgearbeitete Zierfiguren und Geräte, Amphoren für Wein mit doppelwandigem Kühlsystem, Thermoskannen aus glattem Silber, Energiesparöfen, die heute für Entwicklungsländer „neu“ entdeckt werden, 11000 Jahre alt,

fein ziselierter Gold und Silberschmuck, kleine, lebensecht aussehende Figürchen als Zierde. Das war, als die Kelten bei uns oben auf dem. Berg hausten und mit Keulen die Eisenhäuser Nachbarn erschlugen. Da hatten die Griechen schon automatische Steuerungen für Schiffe.

Königsgräber
◦ Die Makedonier begruben gerne in Hügelgräbern. Nur wenige sind erschlossen. Ein sehr sympathischer Archäologe – zumindest sieht er auf dem Bild so aus – Andronikos mit Namen, hatte schon als Student am Hügelgrab bei Vergina mit seinem Professor gegraben. Selber Professor machte er weiter mit seinen Studenten. Und fand einzig ordinäre Gräber im Hügel. Und dann fiel er in ein Loch. Sie sind ihm mit einer Strickleiter nachgestiegen. Und fanden ihn auf Knien und weinend. Er hatte das Grab des Königs Phillip II, dem Vater Alexander des Großen entdeckt. Eine Sensation. Eine ganze Halle voll der schönsten Gebrauchsgegenstände und Schmuck aus Gold, Silber, Elfenbein, Kupfer, Eisen waren in seinem und den anderen Gräbern in seiner Umgebung. Andronikos hatte sich im Hügelgrab ein unterirdisches Museum gewünscht bevor er an Krebs starb. Bald wäre ich nicht reingegangen, ein Museum pro Tag reicht. Anastasia hat mich überredet. Und hatte Recht. So etwas Fantastisches, Wertvolles und Alltäglich-schönes hab ich noch nie gesehen.

Der Goldene Larnax (Chrysi Larnaka) mit dem Stern von Vergina, ein sechzehnstrahliges Sonnensymbol, auf der Oberseite enthält vermutlich die sterblichen Überreste des Königs Philipp II. von Makedonien, darüber schwebend ein goldener Eichenkranz. Foto und Text aus Wikipedia http://www.vergina.

Meteora
Tausende Touristen, Koreaner, Mittelamerikaner, Japaner, Deutsche Diözese Gruppen, Griechen, aller Herren Länder drängeln sich wie Ölsardinen durch die engen Gemäuer der Klöster oben auf den Bergen. Asiatinnen posieren in exponierten Posen mit aufgesetzten Lächeln, das umgehend nach der Aufnahme verschwindet. Im Sommer, sagt Anastasia, stehen hier 80 Busse mit russischen Pilgern.
Vor 40 Jahren waren wir alleine. Wir mussten nicht mehr mit Seilen aufgezogen werden, es gab schon Pfade, aber die Netze an Winden gab es noch. Die Ruhe, der Frieden hatte mich in seinen Bann gezogen. Ich wollte eine Zeit lang bleiben.
Aus dem Gewusel heute wollte ich nur verschwinden.

Thermopylen
Mit Wolfgang folgte ich damals, über 40 Jahre ist’s her, der Landstraße gen Süden, wir kamen an einen mit Kiesel bestreuten Parkplatz vorbei und hielten. Ich weiß, wie mich der Ort in seinen Bann zog, irgend etwas war hier. Später erfuhr ich den Grund. Leonidas mit seinen Spartanern ist hier gefallen. In der Schlacht an den Thermopylen. Der kleine Haufen aus Spartanern und Verbündeten hat bis zum letzten Mann gekämpft am engen Pass, um Xerxes, den Perserkönig mit seinen 100tausenden Mann starken Heer an der Eroberung der griechischen Stadtstaaten zu hindern. Sie wurden verraten. Von einem Griechen. Und starben. Nicht ohne dem Xerxes enorme Verluste bei zu bringen. Kann sein, dass die Griechen heute noch denken, mit diesem heroischen Verhalten sei auch Erdogan zu besiegen. Ihre militärische Aufrüstung jedenfalls legt den Verdacht nahe.
Heute ist ein Denkmal da. Und in geöffneten Heckklappen von Autos kann man Kirschen und Honig kaufen.
„Wanderer, kommst du nach Sparta, verkündige dorten,
du habest uns hier liegen gesehen,
wie das Gesetz es befahl.“

Delphi, ach Delphi
Solch einen Haufen Steine. Und alle alt, sehr alt. Weiß man ja, dass hier einst die Orakel ihre mehrdeutigen Weissagungen ziemlich bekifft vor sich hin orakelten. Und alle glaubten an ihre Weisheiten. Wie der König, der einen Kriegszug plante, das Orakel ihm deutete, wenn er den Fluss überquere, würde ein Königreich verloren gehen. Unser König überquerte frohgemut den Fluss in der Erwartung auf Zugewinn, doch es war sein eigenes Königreich, das er verlor.
Anastasia erzählt, dass es 100 Priester gab. 50 in offizieller Mission, die Orakel beim orakeln unterstützend und 50 geheime, die sich in normaler Kleidung unters Volk mischten. Sieben Tage mussten die Bittsteller warten bis sie vorgelassen wurden. Zeit genug für die geheimen Priester, alle Kandidaten auszufragen, zufällig natürlich und unauffällig. Politisch war das Ganze. Athen als Führerin der 50 Stadtstaaten passte auf, das nichts gegen ihre Interessen eingefädelt wurde. Und dementsprechend fiel das Orakel aus. Geh nur über den Fluss, da wo auch wir erobern wollen und wir zeigen dir, wer der Herr ist.

6 Gedanken zu “Eine Reise durch Griechenland der Antike

  1. Netter Bericht, denn ich war vor 30 Jahren da auch schon überall, nur das Grab von König Philipp gab es damals noch nicht. Oft eine aufregende Landschaft, nicht zu betoniert wie um das korrupte Athen

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  2. Dein Bericht ist – wie immer – sehr interessant….danke !!
    …und kommt Ihr nach Sparta….dann denkt an die Helden, aber was wichtiger ist: lasst es Euch gutgehen !
    …die Zeit wird kommen, da braucht man keine Helden mehr !!!

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    1. Bedankt, Manfred!
      Die Helden sind alle untergegangen. Wir folgen ihren Spuren. Faszinierend. Menschen bauen auf und zerstören. Die schönsten Kulturen. Ich bin fasziniert was es hier Schönes (und hässliches) gab.
      Bis bald
      R

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  3. Tja, unsere Vorfahren waren noch etwas zurückgeblieben. Vielleicht rächen sie sich heute mit Finanzpolitik. Ihr seid ja auch an solchen geschichtsträchtigen Stellen. War mir völlig neu, was du beschreibst, Bergis. Danke und Grüße

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