Als Senior Experten in Südafrika 4. März 2020 Pretoria.

Angst im Bauch beim Spaziergang durch das Viertel. Zwengs der vielen Warnungen vor jungen Männern (warum nicht vor jungen Frauen? Können sie einen nicht überfallen?). Reichenviertel. Bungalows umgürtet mit hohen Zäunen, meist Natodrahtrollen obendrauf, Schilder, es wird umgehend geschossen. Junge Frauen unterwegs von der Arbeit, weiße Menschen zu Fuß sehen wir nicht. Sie fahren Auto, oft sehr dicke Schlitten. (Doch, doch, colored people fahren auch große Wagen, aber weniger). Im Supermarkt werden wir selbstredend auf Afrikaans angesprochen, es ist die Sprache der Apartheid. Und erinnert mich an die leidvolle Zeit der 60er und 70er Jahre, als die Herrenrasse ihre Herrensprache in den Schulen einführte und massiven Widerstand provozierte. Hunderte Menschen, viele Schüler wurden von der weißen Staatsgewalt erschossen, erschlagen, tot gefoltert. Ich kann nichts dafür, daran muss ich oft denken. Soweto, dort, wo der Aufstand begann, liegt in der Nähe. Und ist noch immer ein Slum in dem über 1 Mio. Menschen in Blechhütten leben. Die Regierung, hab ich gelesen, tut viel um die unhaltbaren Zustände zu verbessern. Hoffentlich. Viel, so scheint mir, ist von Mandelas Vision der Regenbogennation und des sozialen Ausgleichs noch nicht erreicht. Ja doch, es gibt eine neue Oberschicht der colored people, doch sie ist klein und 75% des landwirtschaftlich nutzbaren Landes gehören noch immer Weißen. Die gerade mal 9% der Bevölkerung ausmachen.

Wir arbeiten zu Hause, versuchen, uns einen Überblick zu erarbeiten, viel an Struktur und Programm ist noch nicht da. Steht ja auch in der Anforderung. Organisation und Inhalt sollen wir ihnen beibringen. Machen wir glatt, wenn sie uns lassen. Heute hatte Tsetse, der Mann für alles, keine Zeit. Er will das Büro einrichten. Gestern haben wir die leeren Räume besichtigt. Sie sind ein gutes Sinnbild der Gruppe. Den Rahmen gibt es. Und gute Ideen. Und einige organisierte Jugendkonferenzen. Wer Lust hat, kann sich ein paar Filmchen in YouTube anschauen. Nach „Agape Youth Movement“ suchen.

Die Sonne scheint, Jakarandabäume überspannen die Straßen und geben Schatten, Pretoria ist grün wie eine Gartenstadt. Eigentlich schön.

1 Kommentar

  1. Ich hoffe, der Spaziergang ist gut ausgegangen! Liebe Grüße und einen schönen Sonntag. Wir warten auf weitere Berichte!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.