Als Senior Experten in Südafrika. Wilde Fahrt, fremdes Land, Corona Virus, Stromausfall

Lebowakgomo, den 13.3.20

Mir sitzt noch immer der Schreck in den Knochen. Kein Wunder, ist ja Freitag der 13. Tsetse hat uns zu seinen Eltern mitgenommen, oben, an die Grenze zu Botswana, nach Lebowakgomo. Die vierspurige Autobahn, geradeaus zumeist über flaches, afrikanisches Savannen-Land, ist gut zu fahren. Nach 200 km, dort, wo die Hügel beginnen, geht es ab ins Gebüsch über Land. Und die gesamte Strecke fährt der Kerl 140, 150 km/Std. Auch die Landstraße. Auch, als es dunkel ist. Auch, wenn 80, ja 60 vorgegeben ist. Dann geht er mal runter auf 120. und beschleunigt den Automatik-Mini umgehen wieder auf Reisegeschwindigkeit. Auf die Frage, ob, wie wir es aus Tansania kennen, nachts unbeleuchtete alte Lastwagen unterwegs seien, kam die Antwort, in Südafrika müssten alle Autos beleuchtet sein. Prompt taucht ein unbeleuchteter Lastwagen halb auf der Straße stehend, vor uns auf. Er kann ausweichen, weil keiner entgegenkommt.

Wir kannten seine rasanten Fahrten aus Pretoria. Er fährt uns jeden Tag. Der nicht so große Mann hockt tief im Mini, mit der Nase auf Höhe Oberkante Lenkrad und gibt Gas. Wie ein Feuerball flitzt er durchs Gewühl, nach Rennfahrermanier dicht auffahrend, blitzschnell ausscherend, links, rechts, mittig überholend. Und telefoniert dabei mit einem seiner Handys. Das hab ich ihm ein wenig abgewöhnt, anfangs hatte er drei Handys. Er aber ist telefonsüchtig. Wenn ich dachte, diese täglichen Abenteuer seien einmalig, hatte ich nicht mit einer Steigerung gerechnet.

Wir hatten uns Sorgen gemacht über unbekannte Verhaltensregeln bei seinen Eltern. Doch die waren unkompliziert und zugänglich. Und haben herzlich über unsere Geschichten gelacht. Wenn sie lustig waren. Das Haus ist klein, das Wohnzimmer voll mit Couches und gemütlich, auf einem Sideboard läuft der kleine Fernseher und bringt Nachrichten über Corona.

Langsam fange ich an, mir Sorgen zu machen. Veranstaltungen in Capetown werden abgesagt, die ersten sind in Quarantäne, Lufthansa hat uns geschrieben, dass sie noch nicht wissen, wie es weiter geht. Und die Botschaft antwortet nicht. Rasselbande! Jetzt aber schauen wir erst mal auf heute und die Großfamilie. Für die Omas haben wir schicke Handtaschen gekauft. Und für die Kinder Springbälle, wie sie Klaus hat, Luftballons und Überraschungseier.

Samstag, den 14.3. Um Hotel kein Strom, Akeine Klimaanlage (die bei uns nach Tansania-Manier auf 27 Grad steht), Wasser nur tröpfelchenweise, kein Internet, kein Nix. Stromausfall ist üblich im Land, stundenlang hatten wir das auch schon in Pretoria. Das Land ist schlecht gemanagt und nutzt nach wie vor Kohle zur Erzeugung. Deutschland liefert das nächste Kohlekraftwerk. Es gibt, sagt die nette Bedienung beim Frühstück, eine App, mit der die Stromausfälle vorab mitgeteilt werden. 2 Mal am Tag ist normal.

Blick aus dem Fenster heute Morgen

2 Kommentare

  1. Solche Fahrer und solche Fahrten sind für mich der Albtraum. Da hatten wir in Äthiopien wirklich Glück mit unserem Fahrer – die Fahrten haben mich trotzdem viele Nerven gekostet…

    Die Entwicklung des Landes scheint nicht so toll zu sein. Hat sich an der Korruption etwas verbessert, seit Zuma abgelöst wurde?

    Haben eure Bekannten eigentlich etwas zur Situation in Simbabwe und zu den Flüchtlingen aus Simbabwe gesagt?

    Viele Grüße
    Friedemann

    1. Unser wagemutiger Fahrer Tsetse sagt, mit Flüchtlingen aus Zimbabwe hätten sie nicht solche Probleme, aber mit denen aus Nigeria. Ich weiß allerdings nicht, ob er sich in dem Thema auskennt. Gelesen habe ich, die meisten Zuwanderer, auch illegal, kämen aus Mosambik.
      Die Korruption blüht weiter, unsere Leute sagen, die Regierung wäre von der Industrie gekauft. Ich veröffentliche demnächst dazu was. Momentan warten wir, ob Europa die Grenzen dicht macht. Dann laufen wir zu Fuß. Wollte sowieso wieder pilgern. Grüße aus Pretoria

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