Kreuzfahrt Guayaquil – Marseille 1970

Auf jedem Kreuzfahrtschiff gibt es Freudenmädchen, erklärte mir der Seemann. Sonst gäbe es Samenkoller mit Unzufriedenheit und Streit. Ich lernte die beiden Damen an der Bar kennen, sie waren nett und schleppten mich nachts  zu später Stunde in die erste Klasse, da war noch viel Prächtiges  am Büfett  übrig. Zu Essen gab es mehr als genug. Frühstück, 11 Uhr Zwischenmahlzeit, Mittagessen, Kaffeetrinken, Abendessen, Snacks. Am Ende der Reise hatte ich mein höchstes je erreichtes Gewicht auf den Rippen. Drei Tage allerdings gab es nichts. Die Ausläufer des Orkans kamen unvermittelt beim Mittagessen. Das Schiff kippte schräg, die nicht festgeschraubten Tische schlitterten durch den Raum, die Ober verloren ihre Tabletts und die Anrichte entleerte sich mit lautem Scheppern. Wir machten uns einen Spass und versuchten im Tanzsaal auf dem Oberdeck das Rollen des Schiffes auszunutzen und mit Stühlen Schlitten zu fahren. Die Küche war zu, es gab Konserven die kaum genutzt wurden, denn die Mehrzahl der Passagiere hatte die Seekrankheit erwischt. 

Die Äquatortaufe war nicht so schlimm wie vordem, als man unter dem Kiel durchgezogen wurde.

Mit Sahne besprüht und mit stumpfen Messern rasiert, eine Ei auf dem Kopf zerschlagen, mit brauner Masse eingeschmutzt und zum Schluss in den Pool geworfen werden ließ sich ertragen. Alles brüllte vor Lachen, meine beiden Freundinnen spielten Neptuns Begleiterinnen und später tranken wir Getauften  recht viel.

In Marseille ging ich von Bord. Noch im Hafen kaufte ich an einem Kiosk meine bis vor zwei Jahren geliebte Gauloise.  Noch  nicht mal auf den Frachtschiffen im Hafen von Antofagasta, die Zigaretten schmuggelten, war sie zu erhalten. Steckte sie an, nahm einen tiefen Zug, hustete, Schrott, was für eine Enttäuschung, sie schmeckte nicht mehr. Welche Veränderung gab es noch? Mit dem Zug fuhr ich zurück in mein Dorf.

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