Lima, Sonntag, den 29. Januar 2023. Von Sportschau, Wahlterminen, täglichen Erlebnissen

Samstags um 12:00 Uhr gibts bei Frank Sportschau. Die Zeitverschiebung war immer schon Anlass für Freude, Wahlergebnisse in D hatten wir schon mittags. Wenigsten gestern waren die Fußball Ergebnisse nach meinem Geschmack. Bayern unentschieden gegen Frankfurt (ich lach mich schubbelig, der jugoslawisch-deutsche Sportvorstand Hasan „Brazzo“ Salihamidžić des FC Bayern definiert jetzt bei den Bayern was bayrisch ist. Weil Gnabry gewagt hatte, an seinem freien Tag in Paris Mode auszuprobieren. Früher hat das ein gestandener Bayer wie der Ulli gemacht). Und dann Freiburg: gewonnen (ich liebe Freiburg). Und dann Union Berlin : gewonnen. Und Bremen hat auch gewonnen. Es gibt noch schöne Erlebnisse auf der Welt. Auch in D.

Weniger in Peru. Nach den lokalen Zeitungen zu urteilen herrschte Ruhe am Wochenende. Die internationale Presse berichtet von weiteren schweren Zusammenstößen. In Lima soll es einen Toten mehr gegeben haben. Wir waren am Freitag mit Frank und Carola aus, in Barranco high live wie immer. Indigenas nehmen daran auch nicht teil, sie verkaufen höchstens, folkloristisch gekleidet, am Straßenrand kleine Llama Püppchen und Selbstgestricktes.

Bar in Barranco

Ich stell mir den Reichtum z.B. eines Landes wie Peru als Kuchen vor. Die eine (klitzekleine) Gruppe reklamiert für sich den größten Teil, ein anderer, auch noch kleiner Teil der Poblacion (die Mittelschicht) kriegt auch was ab und die Mehrheit muss sich mit Krümeln begnügen. Und wie setzen sie (die klitzekleine Mehrheit) das durch? Nach Focault basiert neuerdings Macht auf Wissen. Das mag ja in unseren reichen, übersättigten Ländern oft stimmen, aber hier nicht! Boularte, die Präsidentin, lässt den Machtapparat von Polizei und Militär los, die brutal jegliche zumeist berechtigte Forderung nach mehr Anteile am Kuchen zerschlagen. Und obwohl sie es wissen (müssten), dass ihre Indigenas nachvollziehbare Forderungen haben, deklarieren sie die Protestierenden als Terroristen, die mit aller Härte bekämpft werden müssen.

Letzte Entscheidung des Parlaments vom Freitag: die Präsidentin hatte beantragt, den Protestierenden entgegen zu kommen und die Wahl auf Oktober dieses Jahres vor zu verlegen. Abgelehnt. Klar, wenn mehr als die Hälfte der Parlamentarier damit rechnen muss, wegen Korruption angeklagt zu werden, wenn sie die Sicherheit der Immunität verlassen, kann ich verstehen, dass kein Wechsel erwünscht ist.

Warum wird im Süden deutlich mehr mobilisiert und protestiert als im Norden? (Aus: https://www.nachdenkseiten.de/?p=93112)

Der Großteil der indigenen Bevölkerung lebt im Süden des Landes, vor allem in Puno, Cusco, Ayacucho und Apurímac. Diese Regionen sind schon immer die politisch, sozial und kulturell am stärksten ausgegrenzten Regionen, auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Was der Neoliberalismus in den letzten dreißig Jahren erreicht hat, ist die Erschließung dieser Bereiche, während er gleichzeitig große Ungleichheiten erzeugt und verstärkt hat. Im Süden herrscht historisch ein starkes Unbehagen. Dies macht sie ideologisch nicht unbedingt zu Linken, aber es macht sie kritisch gegenüber dem politischen und wirtschaftlichen System sowie dem Zentralismus und der Hauptstadt Lima. Insgesamt war der Süden aus diesen Gründen auch Castillos (RE: des abgesetzten und verhafteten Präsidenten) Wahlhochburg.

Ein weiterer Faktor ist, dass es im Süden eine ausgeprägtere Tradition des Protests und der gemeinschaftlichen Organisation gibt, aktuell zum Beispiel in Form von Blockaden, die nach einem Rotationssystem funktionieren. Während die einen arbeiten, protestieren die anderen. Diese Ebene der Koordinierung ist komplex und existiert aufgrund von Erfahrung und Gemeinschaftsorganisation. Es ist die organisatorische Infrastruktur, welche die Proteste am Leben hält.

Tagsüber wird es ganz schön heiß, Nachts mit 20 Grad angenehm. Auf dem Bett liegend, den Ventilator über sich streifen lassen lässt es sich aushalten.

Wir nehmen immer einen Bus um an die Steilküste zu kommen. Busse sind privat und Schrotthaufen. Meist steht einer oder eine Frau in der Tür, schreit wo sie hin fahren und wenn es passt, rein mit dir, aber schnell. Die Fahrt kostet 1 Sol, 25 ct €. Hat er keinen Türsteher, sammelt der Fahrer das Geld, gibt raus, überholt, gibt Gas, auf schreiendes Verlangen der Fahrgäste oder wenn ein Fahrgast am Straßenrand winkt, kreuzt er rücksichtslos 3 Spuren, lässt aus- und einsteigen und gibt Vollgas mit der Klapperkiste. Jedes Mal ein Abenteuer. Letztens dusselt ein junges Mädchen mit Blick auf ihr Handy genau vor unseren Bus, wir flogen durcheinander, das Mädchen stürzt, rappelt sich auf, schimpft und geht von dannen. Mir fällt auf: junge Leute rauchen nicht, hängen aber noch intensiver an ihren Bildschirmen.

Auch am Malecon, der Steilküste, alles wie immer. Nebel wabert übers Meer und durch die Hochhäuser, löst sich wie von Zauberhand gen Mittag auf und die Sonne knallt. Wir gehen essen.

Chinesischer Pavillon an der Steilküste (Suchbild)

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