Camarque

Ich alter Bless! Wenn man abends seine Knochen und Gelenke nicht mehr spürt, war es ein Abenteuer der besonderen Art. Vier Stunden mit dem Jeep durch die Camarque. Sie ist vor allem eines – Weite.
Flaches Land bis zum Horizont, dazwischen Seen, Lagunen, Schilf, Wasserläufe und darüber ein riesiger Himmel. Manchmal weiß man gar nicht so genau, wo das Land aufhört und das Wasser anfängt.
M sagt, gibt sogar eine Verbindung zum Mittelmeer. Und weiße Pferde (sie leben hier bevor der Mensch kam, noch immer soll es wilde Herden geben), schwarze Stiere mit riesihen Hörnern (haben sie einen roten Punkt dazwischen, sind sie zum Stierkampf vorgesehen – hier einem unblutigen. Flotte Männer springen flott vor den Tieren in der Arena davon, und wenn sie kopfüber über die Balustraden hechten, der Stier hinterher, ist ihr Hintern -oder andere Körperteile- frei zum Angriff. Manchem Stier gelingt das. Der hat dann gewonnen und kriegt das Preisgeld).

Die Camarque mit den Herden von Wildpferden war einer von Ms Jugendtraum (ein anderer war, Winnetou zu heiraten – da hab ich Glück gehabt). Und mitten in dieser wilden Landschaft: Reisfelder.

Damit hatte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet. Aber die Camargue ist eines der wichtigsten Reisanbaugebiete Frankreichs, eingeführt von verschleppten Vietnamesen aus den Kolonialgebieten. Große Felder liegen zwischen Kanälen und Feuchtgebieten. Für Camargue-Reis kann man grob mit etwa 5.000–6.000 Litern zugeführtem Rhône-Wasser pro Kilogramm Rohreis rechnen. Süßwasser dient aber auch zum entsalzen der Böden. Weiter südlich ist eine landwirtschaftliche Nutzung nicht mehr möglich. Dort dominieren Lagunen und Salzwiesen, die zur Salzgewinnung genutzt werden.

Das Faszinierende ist diese Mischung: zuerst die Obstplantagen mit Pfirsichen, Äpfeln und Wein, dann der Reis und danach die Salzwiesen mit kärglicher Vegetation, Pferde, Stiere, Seen und endlose flache Landschaft. Dazu Vögel überall. Der Besuch eines Vogelparadieses war der letzte Teil.

In den flachen Seen und Sümpfen finden unzählige Wasservögel Nahrung und Ruhe. Besonders eindrucksvoll sind die Flamingos, die oft in großen Gruppen im seichten Wasser stehen. Reiher, Enten und viele Zugvögel kommen dazu – bis auf ein paar Meter kamen wir an sie ran.

Auch wenn ich kaputt bin, missen möchte ich dieses Abenteuer nicht

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